Dubai, ein Emirat im Aufbruch


Auch aus dem Weltall ist zu sehen, was an der Küste des Emirats Dubai vor sich geht. Der ESA-Satellit Proba, der die Erde in 600 Kilometern Höhe umrundet, nahm dieses Foto der entstehenden Inselgruppe "The Palm Jumeirah" bereits am 7. Dezember 2004 mit der Hochauflösungskamera HRC auf. Inzwischen ist die mit Luxus-Domizilen bestückte künstliche Inselgruppe so gut wie fertig (Stand November 2007), verkauft sind die Nobelherbergen bereits seit langem.


Der ESA-Satellit Proba dokumentierte auch die zweite Palmeninsel aus dem All, hier die "Palm Jebel Ali", aufgenomen am 26. August 2005 von Probas Spektrometer CHRIS. Der Handelshafen Jebel Ali, 35 Kilometer entfernt von Dubai City und an der Grenze zum Nachbaremirat Abu Dhabi, wurde 1979 fertig und sieht seit 2002 einem gigantischen Bauprojekt in Form einer avantgardistischen Metropole entgegen. Die der Küste vorgelagerte künstliche Palmeninsel ist nur halb so groß wie die Palme vor dem Strand-Stadtteil Jumeirah (Foto oben). Welche Umwälzungen jedoch am Meeresboden entstehen, wird aus den Verfärbungen des Wassers deutlich: Der dunkelblaue Schacht rechts neben der Palme deutet eine Kanalvertiefung von 17 Metern an (der Kanal, "Arabian Canal", zieht sich dereinst 75 Kilometer durchs Landesinnere und findet in Jumeirah zum Meer zurück). Auch die hellen Sedimente am oberen Bildrand stehen im Zusammenhang mit den Aushebungen und Aufschüttungen von Millionen Kubikmetern Sand. Die größte aller drei Palmen-Inseln entsteht jedoch vor dem alten Stadtteil Deira.
Fotos: ESA


Das Bauprojekt "Jumeirah Heights", wie es vor der Übergabe aussehen wird - Hochhausgruppen auf künstlichen Inseln vor der Küste und durchzogen von Kanälen, Brücken und Stränden. Das Projekt wird vom arabischen Immobilien-Giganten Nakheel betrieben, der auch die Palmeninseln (und etliches andere) ins Leben ruft.


"Marina Residences", ein weiteres Luxus-Bauprojekt der Firma Nakheel in Jumeirah, fertig gestellt Oktober 2007. Auch hier ist das Bebauungsziel gut erkennbar: Alle Hochhauskomplexe sind mit einer gelungenen Wasserführung verbunden, der künstliche Kanal im Vordergrund weitet sich sogar zu einem Hafen mit Anlegestellen für Privatboote.
Fotos: Nakheel (Copyright 2007)

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Dubais kühne Träume sind vorerst geplatzt:

Die weltweite Finanzkrise, ausgelöst durch den US-amerikanischen Immobilienmarkt, hat seit 2008 auch das Emirat am Persischen Golf getroffen. Viele Bauprojekte wurden 2009 gestoppt und liegen seither brach, weil die Investoren aufgeben mussten, schlimmer noch: Das prestigeträchtige Bauunternehmen Nakheel, das die künstlichen Inselkomplexe im Golf errichtet,  steht vor dem Bankrott. Die Reaktionen aus dem Rest der (westlichen) Welt schwanken zwischen Bestürzung und Häme. Nur das wahnwitzigste Projekt des Emirs Sheikh Mohammed bin Rashid al Maktoum, das mit 828 Metern höchste Hochhaus der Welt, konnte Anfang 2010 tatsächlich eröffnet werden: Das als "Burj Dubai" (Dubai-Turm) geplante Wunderwerk des Chicagoer Architekten Adrian Smith (errichtet von der Immobilienfirma Emaar, Kosten mehr als 3 Milliarden Euro) wurde dankbar auf den Namen "Burj Khalifa" getauft, nachdem der Emir von Abu Dhabi, Sheihk Khalifa bin Said al Nahyan, seinem bedrängten Nachbarn mit der erklecklichen Summe von rund 10 Milliarden Dollar unter die Arme gegriffen hatte. Im November 2009 konnte nämlich das Staatsunternehmen Dubai World nebst der Tochter Nakheel seine Verpflichtungen nicht einlösen und musste um Aufschub bitten. Die Börsen reagierten weltweit erschrocken, beruhigten sich aber schnell angesichts der Nachbarschaftshilfe aus Abu Dhabi - die Arabischen Emirate stehen in einer seltenen Mischung aus konkurrierendem Ehrgeiz und verständnisvoller Solidarität zueinander.

Insgesamt allerdings betragen die Außenstände von Dubai World rund 60 Milliarden Dollar, was der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung des Emirats entspricht, und zu Beginn 2010 ist noch gänzlich unklar, wie sie beglichen werden können. Bis 2012 werden weitere 35 Milliarden Dollar Rückzahlung von Darlehen fällig, indes Sheikh Mohammed bereits angekündigt hat, dass der Staat die Schulden von Dubai World nicht übernehmen werde. Betroffen von der Krise sind freilich auch hochfliegende Pläne, Dubai zu einer kulturellen Metropole zu machen: Michael Schindhelm, der im Auftrag von Sheikh Mohammed dazu die Grundlagen schaffen sollte, hat das Land inzwischen verlassen. hey Februar 2010

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Dubai Kulturprojekt

13-04-2005
Update 07-02-2010

Ein Traum wächst aus der Wüste

Im arabischen Emirat Dubai entsteht die Zukunft, atemberaubend in Tempo und Gestaltung

 

Von Christel Heybrock
 

Es war einmal ein Perlenfischerdorf am Persischen Golf.  Und weil sich das kleine Volk der Blofas (oder Bufalasah) vom Beduinenstamm der Bani Yas in der entfernten arabischen Oase Liwa einsam, beengt oder wie auch immer unglücklich fühlte, ließ es sich von seinem Führer Sheikh Maktoum Bin Buti Al Blofas im Jahr 1833 just in jene Gegend an der Küste bringen, wo ein Meeresarm die Wüste teilte und man weiträumig siedeln und sich zudem an Fischreichtum und ausgedehnten Handelsbeziehungen erfreuen konnte. Bis 1852 regierte der weise Sheikh Maktoum, und in dem von ihm gegründeten Dubai herrscht die Familie Maktoum bis heute.

 

Dubai, eines der sieben Arabischen Emirate an der Nordspitze der Arabischen Halbinsel, ist nur knapp 4000 Quadratkilometer groß und kommt damit immerhin an zweiter Stelle nach Abu Dhabi (67.000 Quadratkilometer) – die Emirate Ajman, Fujairah, Ras al Khaimah, Sharjah und Umm al Quwain sind noch viel kleiner. Dubais Bevölkerung, im Jahr 2000 noch unter 1 Million Einwohner, wächst und wächst, besteht aber seit Jahren aus drei Viertel ausländischen Arbeit- und Auftragnehmern und nur einem Viertel Einheimischen, und das stört die letzteren inzwischen zwar ein bisschen, bislang aber nicht allzu sehr. Wovon wächst Dubai? Erdöl. Erdgas. Handelsbeziehungen (Gold, Perlen, Gewürze). Autorennen. Pferderennen. Regionaler Sport: Kamelrennen. Seit wenigen Jahren gibt es eine Explosion: Tourismus. Jeder will gesehen haben, was in dem kleinen Wüstenstaat los ist, und in der Tat breitet sich die Zukunft hier aus wie ein Flächenbrand. Gibt es (außer vielleicht in China, wo die Entwicklung viel weiträumiger angelegt ist) eine Region auf diesem Planeten, in der ein so atemberaubender Aufbruch die Menschen erfasst hat?

 

Im Jahr 1979 setzte Sheikh Rashid Bin Zayed al Maktoum die Golfregion in Erstaunen mit dem aller ersten Hochhaus der Emirate, dem World Trade Center. Erst Anfang der achtziger Jahre wurde der Bau getoppt vom Baynunah Tower, aber der erhob sich im Nachbaremirat Abu Dhabi, und es war klar, dass Dubai nun nachziehen musste. Kronprinz Mohammed Bin Rashid Al Maktoum hatte einen Traum: ein Bau, hoch wie ein Turm und gebläht wie ein Segel mitten im Meer. Das Burj el Arab (Arabischer Turm), 321 Meter hoch, war lange das höchste Hotel der Welt und ist mit seinen sieben Sternen noch immer das sicherlich luxuriöseste. Es wurde mit seiner kühnen Architektur zum Wahrzeichen des modernen Dubai und zum Symbol einer Geisteshaltung, die international verblüffte: Da hatte sich doch irgendein Wüstensohn aus der Dritten Welt angeschickt, avantgardistischer und visionärer zu handeln, als man es im ach so fortschrittlichen Europa oder Amerika gewagt hätte!

 

Und nun? Die Tage des World Trade Centers Dubai sind gezählt, und Sie können den langweiligen Kasten sowieso vergessen, da guckt keiner mehr hin. Das Burj el Arab ist zwar unvergesslich, aber auch nur eine Initialzündung für das, was sich heute, seit der Jahrtausendwende und wohl noch über das Jahr 2010 hinaus, auf den paar Quadratkilometern Sand abspielt. Dubais Altstadtkern Bur Dubai und der etwas neuere Stadtteil Deira, beide am Creek und mit Brücken sowie Autotunnel verbunden, haben atemberaubende Hochhaus-Silhouetten bekommen, und wer den Doppelkern der City verlässt und mit dem Auto nach Süden Richtung Abu Dhabi fährt, findet die Sheikh Zayed Road rechts und links von Wolkenkratzern gesäumt, an deren Formen und Farben man sich kaum satt sehen kann. Die Zwillingstürme der Emirates Towers mit ihren einander zugewandten „Schnittkanten“ sind da nur ein Blickfang unter vielen, auch wenn das im Jahr 2000 eröffnete Hotel- und Business-Ensemble mit seinen 309 und 355 Metern Höhe bereits das Burj el Arab übertrifft.

 

Hier haben sie Namen, die Skyscraper, und es gibt keine zwei, die gleich aussehen. Api World Tower. Al Safa Tower. Sahara Tower. Saeid Tower eins und zwei, Chelsea Tower. Attar Tower. The Tower. Grün gebauchtes Glas mit goldfarbenen Metallröhren kombiniert. Rot leuchtende schmale Bogenlinie quer über die nachtblaue Glasfassade. Aufregende Durchbrüche. In der Ferne das Hyatt Regency Hotel in japanisch minimalistischem Stil mit  Riesenwasserfall vor der Fassade. Das Wafi-Einkaufszentrum in altägyptischem Stil. Weiter, weiter, man glaubt es aufs Wort, wenn am Straßenrand steht: „Our world is getting bigger and better“. Bigger ja, aber better? Die Sheikh Zayed Road, die (parallel zur Küstenstraße Jumeirah Beach Road) im Landesinnern verläuft, ist heute schon zu bestimmten Zeiten total verstopft. Wie soll das erst werden, wenn erstens entlang der Sheikh Zayed Road die tollkühnen Bauprojekte zwischen Dubai City und Jumeirah fertig sind und zweitens die ebenso tollkühnen Bauprojekte im Stadtteil Jumeirah selbst? Jumeirah, vor wenigen Monaten noch eine erstklassige Gegend mit Strandhotels und kleinen Villen, eine Gegend, in der sich auch ein Palast der Sheikh-Familie Maktoum befindet, nun ja, es war lange Zeit eine „Gegend“, aber kein urbanes Gefüge, und das hat sich gründlich geändert.

 

Auf der meist verstopften Sheikh Zayed Road in Richtung Abu Dhabi: nach einer (im Idealfall) Viertelstunde Fahrt grüßt das neue Jumeirah mit den ersten Hochhaustürmen des Marina Projekts, bereits bezogenen Bauten, gekrönt von zuckenden Positionslichtern auf den luftigen Dachkonstruktionen, die wie halb abgelöste, monumentale Orangenviertel die Verbindung zwischen Beton und Himmel schaffen. Riesigen Lebewesen gleich, atmend im Sekundentakt. Es sind die ersten einer Urbanisation von rund 100 Hochhaustürmen, die um einen künstlich ins Landesinnere gelenkten Meeresarm wachsen – die naturgegebene Situation in der City, der Creek, wird hier noch einmal wiederholt. Der Creek des Marina Projekts ist bereits mit Wasser gefüllt, die ersten Boote laufen schon Probe, in der Nähe liegt ein kleiner Yachthafen mit Zugang zum offenen Meer. In der Nähe wächst auch das 70-Hochhaustürme-Projekt Jumeirah Lake Towers aus dem Boden, wachsen die Jumeirah Islands, man kann es kaum noch zählen. Immer wieder das Spiel von Wasser und Architektur, Grünanlagen in den Sockelgeschossen und an den Ufern, es sieht idyllisch und zugleich utopisch aus.

 

Derweil wird die Küstenlinie im Golf durch vier Großprojekte um Hunderte von Kilometern erweitert. „The Palm“ hieß einst das Zauberwort, eine künstlich geschaffene Inselgruppe im Meer in der Form einer Palme mit Stamm und langen, schön gebogenen Wedeln. Eine? Mittlerweile sind es drei Palmen-Projekte, die der Bauriese Nakheel errichtet: Eine Palme vor dem alten Stadtteil Deira, eine Palme vor der Küste von Jumeirah und eine an der Grenze zu Abu Dhabi, in Jebel Ali, wo sich der Industriehafen und die Freihandelszone befinden. Jede der etliche Kilometer langen Palmen hat eine andere Form, und als vierte Inselgruppe kommt noch „The World“ hinzu, ein ebenfalls gigantisches Projekt, bei dem sich größere und kleinere künstliche Inseln zur Form einer Weltkarte fügen.

 

Nein, es ist längst nicht alles. Zwischen Jumeirah und der City entstand direkt an der Sheikh Zayed Road mit der Emirates’ Mall das wohl größte und attraktivste Einkaufszentrum der Welt – an tollen Shopping Malls ist Dubai nun wirklich reich, aber diese übertrifft noch immer alles (wie lange noch?): Kinos und Restaurants, Eisbahn und Skipisten, ach ja, einkaufen wie in einem arabischen Souk kann man da ja auch noch. Die Emirates’ Mall wird Bestandteil des von Emaar, dem zweiten Bauriesen der Region, geplanten neuen Stadtteils Burj Dubai. In dessen Mitte soll sich mit 560 Metern, emporschießend aus einer stilisierten, sechsblättrigen Wüstenpflanze,  der höchste Turm der Welt erheben – falls irgendwo ein höherer droht, lassen sich offenbar mühelos noch ein paar Meter draufsetzen.

 

Doch der kühnste Plan wird in den nächsten Jahren in Jebel Ali verwirklicht: Dubai Waterfront. Inmitten einer neuen Stadt am Meer, deren Herzstück das klassisch orientalische Madinat Al Arab werden soll, wird sich ein weiterer Riesenturm erheben, kurz Al Burj genannt, Der Turm, Wahrzeichen für den eintreffenden Schiffsverkehr. Für 400.000 Menschen soll Dubai Waterfront einst neue Heimat werden, und der Knackpunkt ist der Arabian Canal, ein 75 Kilometer langer Meeresarm, der ins Landesinnere gelenkt wird, gesäumt von Hochhaus-Gruppen, und in Jumeirah ins Meer zurückfindet. Noch einmal wird sich hier der Traum von Wüstenbewohnern erfüllen: der Traum von der köstlichen Gegenwart des Wassers. Seit die Familie Maktoum das einstige Perlenfischerdorf regiert, hat sie zwischen Sand und Meer Visionen in die Wirklichkeit geholt, wobei es dem einstigen Kronprinz und heutigen Emir Sheikh Mohammed Bin Rashid Al Makhtoum inzwischen nicht mehr schnell genug gehen kann. Eine uralte Kultur meldet sich in Dubai zum Erstaunen der Welt zurück – vorwärts preschend und atemlos, getrieben nicht zuletzt von der Sehnsucht nach Ästhetik, Luxus und Größe. Man muss schon aus der Wüste kommen, um so etwas zu wagen.

 

Infos:

www.dubai-city.de

Gerhard Heck: „Dubai“, DuMont Reisetaschenbuch, neue Auflage 2004, 240 Seiten mit 70 Farbabbildungen, Karten, Plaenen, Register, 12 Euro, ISBN 3-7701-6044-4, www.dumontreise.de

www.nakheel.ae

www.emaar.ae

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