Space Transportation System der NASA

STS-3

 


Commander Jack Lousma und Pilot Gordon Fullerton im Shuttle-Trainer vorm Start der Mission STS-3. Noch präsentieren sich die Astronauten in den gelb-orangefarbenen Ejection Escape Suits, den Sicherheits-Raumanzügen, die mit der Mission STS-5 aufgegeben wurden.
Foto: NASA

 

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31-12-2011
Update 29-08-2012

 

Columbia vom 22. März bis 30. März 1982


Die Mission:

Es war die vorletzte Test-Mission für das Shuttlesystem. An Bord waren daher wieder Beobachtungsinstrumente für das Shuttle selbst, für seine Umgebung im erdnahen Raum und für die Auswirkungen des Shuttle-Fluges mit seinen Emissionen an Gas und Staub auf die Umgebung - Aufgaben, die von der Hauptnutzlast bewältigt werden sollten, der OSS-1-Anlage (Office of Space Science and Application der NASA). Die Anlage mit einer Reihe von Instrumenten war auf einer Spacelab-Palette montiert. Mit dem DFI-Package (= Development Flight Instrumentation), das schon bei STS-1 mitgeflogen war, sollte unter anderem auch dokumentiert werden, wie das Shuttle unterschiedliche thermische Belastungen aushielt. Dazu wurde der Orbiter mehrfach gedreht – mal wurde die Nase, mal das Heck, mal die Oberseite für längere Zeit der Sonne ausgesetzt und die Strahlungswerte gemessen. Wie berechtigt diese Untersuchungen waren, geht aus der Tatsache hervor, dass ein Shuttle sich auf der Sonnenseite bis zu 120 Grad C aufheizen kann, während es auf der Schattenseite bis zu 156 Grad C minus aushalten muss.

 

Die Crew aus Jack R. Lousma (commander) und C. Gordon Fullerton (pilot) testete auch wieder den 15 Meter langen Roboterarm (Remote Manipulator System RMS), der das Plasma Diagnostic Package ergriff, aus der Ladebucht heraus schwenkte und wieder hinein an die alte Stelle setzte. Die Astronauten betreuten aber auch eine Reihe kleinerer Experimente: Erstmals war das Shuttle Student Involvement Project (SSIP) an Bord, mit dem die Bewegungen von Insekten in der Schwerelosigkeit beobachtet wurden. Zum ersten Mal flog auch ein weiteres Experiment mit, das von der NASA später als bezahlte Nutzlast für studentische oder andere Kleinanlagen angeboten wurde: der GAS-Testkanister (Get Away Special). In der STS-3-Mission war der 90 cm hohe Kanisterzylinder (Durchmesser 60 cm) als Test-Nutzlast eingesetzt, der Daten sammelte für spätere Missionen. Schließlich sollten im Latex Reactor vollkommen gleichmäßige Mikropartikel aus Latexmaterial hergestellt werden.

 

Allerdings gab es während des Fluges eine Reihe unangenehmer Vorfälle. Beide Männer litten an Raumkrankheitsowie an "unerklärlichen" Schlafstörungen, die Toilette versagte, es gab Probleme mit der Temperatur im Shuttle und mit der Verbindung zur Bodenstation, eine Notfalleinheit zur Energieversorgung wurde überhitzt (Auxiliary Power Unit APU), funktionierte aber plötzlich wieder während des Landeanflugs, als sie nicht mehr gebraucht wurde. Die Landung wurde dann zum Drama. Die Bodenkontrolle verlegte das Shuttle von der geplanten Edwards Air Force Base in Kalifornien auf eine Piste in White Sands in der Wüste Neumexikos, weil die Edwards Base von Regen aufgeweicht war. Beim Landemanöver spielte das nicht ausgereifte Programm des Autopiloten verrückt, u.a. steigerte es die Geschwindigkeit statt sie zu senken, und Commander Lousma schaltete aus Testgründen den Autopiloten auch nicht gleich ab, sondern setzte erst in letzter Minute auf manuellen Betrieb um. Erst 5 Sekunden vorm Aufsetzen war das Fahrwerk komplett ausgefahren, und der gipshaltige Wüstensand schließlich, der bei der Landung hoch spritzte, setzte der Columbia schlimm zu. Die 36 Hitzeschildkacheln jedoch, die komplett verloren gingen, und die 19, die beschädigt wurden, waren bereits beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre attackiert worden.

 

Die Astronauten:
Jack Robert Lousma (geb. 1936 in Grand Rapids/ Michigan, aus deutscher Herkunftsfamilie) war Kampf- und Aufklärungspilot beim US Marine Corps, bevor er 1966 zu den 19 neu rekrutierten NASA-Astronauten (der fünften Gruppe) gehörte. Lousma flog nur zweimal ins All: mit Skylab-3 im Jahr 1973, wo er zwei EVAs absolvierte, und mit STS-3. Zusammen mit seiner Tätigkeit als Pilot kam er aber immerhin auf insgesamt 7000 Stunden in der "Luft", davon 1619 im All. Ende Oktober 1983 verließ er die NASA, 1984 kandidierte er als Republikaner in Michigan für den US-Senat, bekam aber nur 47% der Stimmen und verlor damit knapp gegen den demokratischen Rivalen Carl Levin. Nur Pech oder Instinktlosigkeit? Er hatte die Wahl bereits verloren, als ein Video auftauchte, in dem er vor japanischen Autobauern erzählte, seine Familie hätte einen japanischen Wagen - und das im Umfeld der Autometropole Detroit!

 


Schwierig, aber möglich: eine Dusche im All. Jack Lousma säuberte sich 1973 bei der immerhin 59-tägigen Skylab-Mission, indem er das Wasser per Druckknopf in einem Schlauch heran holte - es musste mit einem Vakuumsystem abgesaugt werden, bevor es sich in der Mikrogravitation im ganzen Orbiter verteilte.
Foto: NASA

 

Charles Gordon Fullerton (geb. 1936 in Rochester/ New York). Fullerton machte 1958 einen Master in Maschinenbau am Caltech und trat in die Air Force ein, wo er u.a. auf der B-47 Bomberpilot und 1964 als Testpilot ausgebildet wurde. 1966 war er als Besatzungsmitglied für das militärische Spionageprogramm MOL (Manned Orbiting Laboratory) eingeteilt worden, und als das nie realisierte Projekt 1969 eingestellt wurde, trat er in die NASA ein, wo er bis 1986 zu den Astronauten gehörte. Die STS-3-Mission war sein erster Flug ins All, bei der STS-51-F-Mission 1985 war er commander auf der Challenger. Auch nach seiner aktiven Astronautenphase blieb Fullerton als Projekt- und Forschungspilot bei der NASA, die er erst 2007 aus Altersgründen verließ (mit stolzen 71 Jahren). Fullerton, der 2009 einen Schlaganfall erlitt (von dem er sich aber erholte), wurde mit zahlreichen Ehrungen und Medaillen gewürdigt - verständlich, wenn man bedenkt, dass er mehr als 16.000 Stunden "im Flug" verbracht und 135 verschiedene Flugzeugmodelle gesteuert hat.
hey

 

Info:

Die Mission:

NASA http://www.jsc.nasa.gov/history/shuttle_pk/pk/Flight_003_STS-003_Press_Kit.pdf

 

Die Astronauten:

- Jack Robert Lousmahttp://en.wikipedia.org/wiki/Jack_R._Lousma
Biografie in Daten: http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/LousmaJR/LousmaJR_Bio.pdf
Oral History Interviews: http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/LousmaJR/LousmaJR_3-7-01.pdf (63 Seiten) und http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/LousmaJR/LousmaJR_3-15-10.pdf (64 Seiten)

- Charles Gordon Fullerton
http://en.wikipedia.org/wiki/C._Gordon_Fullerton

Biografie in Daten: http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/FullertonCG/FullertonCG_Bio.pdf

Oral History Interview: http://www.jsc.nasa.gov/history/oral_histories/FullertonCG/FullertonCG_5-6-02.pdf (48 Seiten)

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