Lexikon der Heilsteine
von Michael Gienger


Cover von Michael Giengers Heilsteine-Lexikon im Verlag Neue Erde. Das Foto zeigt einen Goldtopas, der unter anderem für Nerven und Stoffwechsel gut sein soll.

URL dieser Website: http://www.kunstundkosmos.de/Gesundheit/Heilsteine-Lexikon.html

Die Fotos von Wolfgang Dengler auf dieser Seite wurden dem Lexikon entnommen.

Sitemap
Übersicht Gesundheit

29-03-2008/ Update 12-09-2014

Gesundheit aus den Tiefen der Erde
Michael Giengers „Lexikon der Heilsteine“, ein Knüller nicht nur der Esoterik-Szene

Von Christel Heybrock

 

Farb-, Schmuck- und Edelsteine sehen nicht nur schön aus, sie heilen dank verborgener Fähigkeiten auch so manche Gebresten und Wehwehchen. Glauben viele Leute. Schon seit Jahrhunderten wabert diese Vorstellung durch die Köpfe derer, die medizinischer Logik und dem Zusammenhang von Ursache und Wirkung offenbar nichts zutrauen. Schon Hildegard von Bingen schlug den Einsatz von „Heilsteinen“ vor, und erfunden hatte auch sie diese Therapie mitnichten. Im modernen Zeitalter der Apparatemedizin und der Übertechnisierung feiert die Lithotherapie fröhliche Urständ’, aber seinen Hausarzt sollte man dazu lieber nicht um Rat fragen, es könnte sein, dass er danach die weitere Behandlung verweigert. Wenn nämlich auch der beste Stein nichts nützt gegen Schlaflosigkeit, Schnupfen oder Magenschmerzen, bleibt meist eben nur noch der Arzt, und den sollte man nicht vergraulen.

 

Nun ist es aber die Frage, ob Heilkunst mit Steinen wirklich nur abergläubischer Mumpitz ist. Hält man sich vor Augen, dass der menschliche Körper prinzipiell nicht aus anderen Stoffen besteht als denen von Mutter Erde, sieht die Sache nämlich schon anders aus. Vielleicht ist man krank, weil da vorübergehend ein Stoff im Körper mangelt? Wasser, Kalk, Eisen, Kalium, Phosphor? Die Therapie mit Schüssler-Salzen beispielsweise setzt auf diese Erkenntnis. Und heute wissen auch Schulmediziner, dass Schwefel gegen manche Hautentzündungen wirkt, Magnesium unerlässlich für die Herz- und Muskeltätigkeit ist und Gold innere Entzündungen günstig beeinflusst. Sammler von Schmuck- und Edelsteinen erfreuen sich durchaus auch an Gold- und Schwefelfunden, die Grenzen sind also da schon fließend. Und berücksichtigt der immer noch skeptische Zeitgenosse, dass so manches Mineral heftige Strahlung abgibt – man denke nur an die Radioaktivität von Uran – dann ist zumindest die Frage nicht absurd, ob nicht auch harmlosere Steine etwas von den Kräften ihrer Entstehung wieder abgeben.

 

Was es damit auf sich hat und wo sich Grenzen ziehen lassen zwischen Scharlatanerie und therapeutischem Nutzen, darüber klärt Michael Giengers „Lexikon der Heilsteine“ auf, das seit 1996 in der Esoterik-Szene und weit darüber hinaus Furore gemacht hat. Der gewichtige, aber trotzdem handliche Band wurde im Jahr 2000 komplett neu bearbeitet, kam 2002 in bereits fünfter Auflage heraus, womit er das 70. Tausend erreichte, und liegt seit 2006 in 7. Auflage vor. Der Erfolg ist kein Wunder, ging der Autor doch mit größter Sorgfalt und Sachkenntnis vor: Eine bessere Information zum Thema auf so gedrängtem Raum ist gar nicht denkbar, und bevor man sich im Internet beim Suchwort „Steinheilkunde“ durch etliche pdf-Seiten mit Literaturangaben kämpft, sollte man lieber gleich zu Michael Giengers reichem Erfahrungsschatz greifen. 

 

Er ordnete sein knapp 600 Seiten umfassendes Buch in vier Abteilungen und widmete allein den „Wissenschaftlichen Grundlagen“ und den „Heilkundlichen Grundlagen“ rund 100 Seiten. Bevor man im Lexikon-Teil also zum Nachschlagen kommt, wird man erst mal gründlich darüber aufgeklärt, was Heilsteine sind, wie sie entstehen, welche Formen und welche chemische Zusammensetzung sie haben und vor allem: wie man sie selber bestimmen kann. Dabei spielt die Frage nach Fälschungen und künstlichen Manipulationen wie Einfärbungen, Imitationen und Bestrahlungen eine große Rolle. Wie die Steine wirken, wie der energetische Austausch mit dem menschlichen Körper funktioniert, wie Astrologie und Lithotherapie möglicherweise ineinander greifen, welches Organ man welchem Stein zuordnen kann und was dabei individuell zu berücksichtigen ist, dieser ganze Komplex nimmt relativ wenig Raum ein, nachdem die wissenschaftlichen Grundlagen so breit angelegt wurden. Dankbar jedoch wird mancher Leser sein für Zusatzinformationen wie beispielsweise Reinigung und Pflege seiner Kostbarkeiten.

 

Cover des Bändchens über die Pflege von Heilsteinen

 

Was speziell diesen Aspekt betrifft, kam 2008 noch ein kleines Taschenbuch von Michael Gienger heraus (der Mann hat inzwischen 20 Bücher veröffentlicht), das über den möglichst wirksamen Umgang mit Heilsteinen informiert: „Reinigen - Aufladen - Schützen. Wie wir Heilsteine richtig zur Wirkung bringen“. Die praktischen Tipps basieren dabei auf der Voraussetzung, dass Steine „Informationen“ ihrer Benutzer aufnehmen und wieder abgeben können, was nicht immer erwünschte Folgen hat. So berichtet Gienger, der selbst mit diesem Verhalten seiner Steine zunächst nicht vertraut war, von einem Heliotrop, den er bei Erkältungen sehr hilfreich eingesetzt hatte und irgendwann einem Freund schenkte. Der trug den schönen grünen Stein mit den kupferroten Flecken nur kurz auf der Haut und bekam prompt eine Erkältung. Sobald er das gute Stück abnahm, klangen die Symptome ab, sobald er es trug, waren sie wieder da.

 

Erst nachdem Gienger erfuhr, dass Steine von dem, was sie aufgenommen haben, wieder gereinigt und befreit werden können/müssen, widmete er sich dem Thema genauer und vermittelt in dem Bändchen nun ein breites Spektrum an Methoden, wie man durch fließendes Wasser, Salz, Klangschalen, Rauch oder einfach Sonnenlicht bestimmten Steinen ihre natürliche Kraft zurückgeben kann (nicht jeder Stein ist für jede Methode geeignet). Dass er zum Schluss ein ganzes Ritual daraus macht, mit dem nicht nur der Raum gereinigt wird, in dem die Steine neu „aufgeladen“ werden, sondern auch der Mensch mit positiven Gedanken zur inneren Harmonie finden soll – nun ja, es ist schon arg esoterisch und wird manchem rational gepolten Leser ziemlich exotisch vorkommen. Aber zwei Dinge sollte der sich durch den Kopf gehen lassen, bevor er das schmale Büchlein kichernd in die Ecke wirft. Erstens: man muss es ja nicht so feierlich machen. Zweitens: die richtige Pflege, auch wenn sie nur aus Wasser und einer Lotion besteht, tut Steinen sichtbar gut und fördert ihre Ästhetik. Und davon kann man wohl ausgehen, dass jeder Besitzer schöner Steine glücklich ist über ihre Schönheit – womit sonst hat solche Freude etwas zu tun als mit innerer Harmonie?! Wer nicht weiter gehen mag, kann es dabei belassen.

 

Aber zurück zum Heilsteine-Lexikon. Seriöserweise teilte Gienger auch den Lexikonteil in zwei Kapitel: Zum einen findet man dort die „Erforschten und erprobten Heilsteine“, zum andern die fast ebenso lange Dokumentation der „Wenig erforschten Heilsteine“, zu denen er,  erstaunlich genug, so harmlose Materialien wie Steatit (Talk), Borax, Alaun oder Muscheln zählt, die in der Kosmetik und Homöopathie bereits eine große Rolle spielen. Sogar Naturglas (Lavaglas) soll eine therapeutische Wirkung haben, nämlich die Nerven stärken und für Freude und Leichtigkeit sorgen. Dass in der Gruppe der „wenig Erforschten“ auch Wismut aufgelistet wird , und zwar als wundheilendes Desinfektionsmittel, wirft ein Licht auf die Forschungspraxis, die hinter Giengers Ausführungen steht. Wismut (oder Bismut) ist seit langem auch in der Schulmedizin und Allopathie bekannt als heilungsfördernde Substanz und hätte insofern getrost in die Liste der gut „Erforschten“ gestellt werden können. Gienger aber beruft sich auf die Ergebnisse der Forschungsgruppe Steinheilkunde, die 1988 in Stuttgart gegründet wurde und seitdem in systematischen Versuchsreihen die Wirkung von Steinen testete. Nur solche Steine kamen in die entsprechende Liste, deren Wirkung sich hier belegen ließ, Mutmaßungen und subjektive Erfahrungswerte wurden bewusst nicht aufgegriffen.

 

Das dürfte dem Nutzer des Lexikons größtmögliche Sicherheit geben, gleichzeitig aber Anlass zur Verwunderung sein, wenn er Wirkungen am eigenen Leibe testet. „Steine strahlen“, sagt Gienger. Ja, und die Strahlung kann sich auf verschiedene Organismen auch unterschiedlich auswirken. Wenn beim Hämatit, dem schwarz glänzenden „Blutstein“, bei Gienger nur eben mal steht, dass er „Kraft, Vitalität und Lebendigkeit“ spende, dann könnte es sein, dass sensible Personen einen Kreislaufschubs erleben, der mindestens dem Genuss einer Tasse Kaffee gleichkommt, oder gar ein Spannungsgefühl in der Schilddrüse, sobald Hämatit ein paar Stunden lang als Collier auf der Haut getragen wird. Was bei Gienger steht, sind also eher nivellierte, allgemeine Hinweise als die ganze Bandbreite individueller Möglichkeiten. Dankenswerterweise finden sich im Anhang zwei verschiedene Register: eines mit den Namen der Steine und ein therapeutischer Index mit Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen. Da findet man unter „Blasenentzündung“ etwa den Hinweis auf Achat und Opal, unter „Entschlackung“ Chrysopras und Trendit, unter „Immunsystem“ eine ganze Liste von Achat bis Turmalin, wobei der Achat, ebenso wie der Turmalin, wegen seiner riesigen Variationsbreite offenbar auch ein unglaubliches therapeutisches Spektrum bietet.

 

Achatscheibe aus Brasilien - der Achat bietet mit seinen zahlreichen Erscheinungsformen eine riesige therapeutische Bandbreite.

 

Außer physischen Erkrankungen spielen psychische und charakterliche Schwächen eine große Rolle. Den geistigen „Horizont“ soll Feldspat erweitern, „Hochmut“ soll durch Scheelit gedämpft und „Kontaktfreude“ unter anderem durch Chalcedon und Turmalin gefördert werden. Wie man die Steine im einzelnen anwendet, ob man sie auf  Stirn, Bauch oder Wunden legen, als Steinessenz schlucken oder sie zum Kreis fügen soll, den man zu Meditationszwecken betritt, all das erfährt man dann unter den Namen der Steine im Lexikonteil.

 

Chrysopras, links ein Rohstein aus Brasilien, rechts ein australischer Trommelstein. Chrysopras mit seiner leuchtenden Farbe soll

"Vertrauen und Geborgenheit" vermitteln und Kindern bei der Bewältigung von Alpträumen helfen. 

 

Natürlich kann es auch sein, dass ein Stein, obwohl nach Vorschrift eingesetzt, überhaupt nichts nützt, weil man zu viel oder etwas anderes erwartet hat. Es bleibt auch hier die Freude an den ästhetischen Formen und Farben, die als psychische Aufmunterung nicht zu verachten ist. Sogar in dieser Hinsicht lässt sich das Lexikon hervorragend nutzen: wenn man Steine wirklich nur wegen ihrer Schönheit sammelt. Zwischen „Achat und Zoisit“ (so der Untertitel) findet der Neugierige eine solche Fülle von Stichwörtern, dass sich selbst anerkannte und ganz gewiss nicht-esoterische Handbücher geschlagen geben müssen. Kristallsystem, Mineralklasse, Chemie, Härte und Spaltbarkeit – kaum ein Aspekt bleibt unerwähnt, und dass es zu jedem Stein auch noch ein Foto gibt, ist da fast schon selbstverständlich. Die unaufdringlich platzierten therapeutischen Empfehlungen kann man als Zeitgenosse, der womöglich auch das Betreten von Steinkreisen eher komisch findet, getrost links liegen lassen – es sei denn, dass man sie doch ein ganz klein wenig ausprobieren muss ...

 

Infos:

- Michael Gienger: „Lexikon der Heilsteine von Achat bis Zoisit“, mit Fotos von Wolfgang Dengler, 576 Seiten, 7. Auflage 2006,  Preis 39,90 Euro, ISBN 3-89060-032-8. Alle hier aufgelisteten Titel im Neue Erde Verlag, Saarbrücken,  www.neueerde.de

- Das Lexikon erschien im Jahr 2009 bereits in der 8. Auflage, 39,90 Euro, ISBN 978-3-89060-032-1

- Michael Gienger: „Reinigen – Aufladen - Schützen. Wie wir Heilsteine richtig zur Wirkung bringen“, 64 Seiten mit farbigen Illustrationen, 4,95 Euro, Verlag Neue Erde, Saarbrücken 2008, Edition Cairn Elen, ISBN 978-3-89060-277-6

- Michael Giengers kleines Buch "Heilsteine von A-Z" mit 430 Steinen wurde mehr als 350.000 Mal verkauft (4,95 Euro, ISBN 978-3-89060-059-8). Dazu erschien im September 2009 auch eine interaktive CD-Rom mit demselben Titel (von Michael Gienger und Hermann Dunkel, 14,90 Euro, ISBN 978-3-89060-518-0)

- Ein weiteres Standardwerk von Michael Gienger, sein Handbuch "Die Steinheilkunde", erschien in erweiterter Fassung im Verlag Neue Erde 2014 bereits in 19. Auflage (Erstauflage 1995). Die Neuauflage hat 448 Seiten und mehr als 100 Farbtafeln (Hardcover 29,90 Euro, Paperback 24,90 Euro, ISBN 978-3-89060-649-1 und 978-3-89060-648-4).

- www.michael-gienger.de

kostenlose counter