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Klaus Staeck

Klaus Staeck, Präsident der Berliner Akademie der Künste und zugleich unbequemer Querdenker, begeht am 28. Februar 2008 seinen 70. Geburtstag. Der "Politgrafiker" wird wegen seiner provokanten Poster gefürchtet von allen, die mit und von sozialpolitischen Missständen gut leben. Von wachen Zeitgenossen aber, denen das Herz zudem am richtigen, nämlich linken Fleck schlägt, wird Staeck - nein, nicht verehrt, sondern geliebt wegen seiner aufmüpfigen Denkanstöße. Dass er auch mit 70 nicht aufhören wird zu meckern, beweist das Foto oben mit dem Poster im Hintergrund. Da steht: "Ein Volk, das solche Boxer, Fußballer, Tennisspieler und Rennfahrer hat, kann auf seine Universitäten ruhig verzichten". Oh je.
"Kunst und Kosmos" gratuliert zum Geburtstag und dankt zugleich Fotograf Manfred Rinderspacher, der Staeck in seinem Heidelberger Domizil aufsuchte, für die freundliche Genehmigung zur Reproduktion dieser Fotos.
25-02-2008 hey

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Frühe Plakate von Klaus Staeck
28-02-2003
Fruchtbarer Störenfried
Mit gepfeffertem Witz rüttelt Klaus Staeck politisches Bewusstsein wach
Von Christel Heybrock
Eine Gesellschaft ist immer nur so viel wert wie die Störenfriede, an denen sie wächst. Wenn dieser Satz stimmt, dann ist Klaus Staeck eine unschätzbare Rarität, denn aufmüpfig und widerborstig gegen alles, was Normalbürger an alltäglichen Missständen einfach hinnehmen, hat er sich seit mehr als dreißig Jahren als Ferment im Stoffwechsel des politischen Bewusstseins erwiesen. Auch nachdem er im Jahr 2003 auf 65 Lebensjahre zurückblicken konnte, ließ er keinerlei Anzeichen einer Rentnermentalität erkennen, die scheint ihm einfach von Natur aus zu fehlen. Am Anfang seiner Karriere als enfant terrible stand 1971 das berühmt gewordene Poster, auf dem Staeck die Porträtzeichnung von Dürers alter Mutter mit dem Satz beschriftete: „Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?“ Es folgten über die Jahre fetzig-freche Bildkommentare zu CDU-Spendenskandalen, Ausländerhass, Umweltverschmutzung und nationalistischem Mief – natürlich ist das dicke schwarzrotgoldene Sofakissen mit den Troddelkanten und dem altdeutschen Schriftzug „Ordnung muss sein“ von niemand anderem als von Klaus Staeck.
Bisher, so sagte Staeck 2003 im Interview, habe er rund 350 Poster gemacht; inzwischen (Stand 2008) sind es rund 300, die auf mehr als 3000 Ausstellungen gezeigt wurden. Die Poster zielten nicht nur alle ziemlich wörtlich ins politisch Schwarze, sondern trafen auch viele ins Mark, die sich getroffen fühlen sollten, oft so sehr, dass sie Anzeige erstatteten. Da war zum Beispiel Staecks Theaterplakat von 2001, mit dem das Berliner Ensemble für eine Inszenierung von Rolf Hochhuths Stück „Der Stellvertreter“ warb. Ein, wie es heißt, „besorgter Bürger“ erstattete Strafanzeige: Auf dem Poster thront, Blick und Hände zum Gebet erhoben, ein unterleibsloser Papst Pius XII. auf einem schwenkbaren Garderobentischchen, und das fein gedrechselte Tischchen steht auf einem Hakenkreuz als Teppich. Das Tolle an Staecks Plakaten ist immer: am Sachverhalt selbst hat sich zuvor eigentlich niemand gestört. Hat etwa der Papst jemals eine Strafanzeige, etwa wegen unterlassener Hilfeleistung im Fall von Tausenden von Juden erhalten, die unter seinem Palastfenster weg von den Faschisten deportiert wurden? Nein, hat er nicht. Aber über Staeck regen sich Leute auf (es sind immer die, die gemeint sind).

Klaus Staeck vor eigenen Werken in seiner Heidelberger Galerie. Foto: Manfred Rinderspacher (Copyright)
Staeck findet das nur gut, und auch insgesamt 42 Gerichtsverfahren, die ihm seine Arbeit bisher eingebracht hat (er hat mitgezählt!) konnten ihm keine einzige Idee verbieten. Offenbar findet er so manchen witzigen Gedanken unter anderem bei entspannenden Spaziergängen am Neckarufer – der umtriebige und reisefreudige Staeck lebt seit 1956 im idyllischen Heidelberg. Inspiriert vom wachen Geistesleben der alten Universitätsstadt, betreibt er hier auch seine Galerie/Edition, mit der er konsequent alle modernen Kunstmessen bereichert. In der Edition publiziert er nicht nur seine eigenen Poster, sondern auch Auflagenwerke von Joseph Beuys, Felix Droese, dem einstigen Sprayer Harald Naegeli, von Videokünstler Nam June Paik und anderen Kollegen.
Nicht zuletzt aber ist Staeck auch ein Mann des Wortes, was nicht erstaunt, hat er doch neben seinen künstlerischen Aktivitäten auch noch ein volles Jurastudium mit allen Referendarzeiten absolviert. Wer seine Website anklickt, findet bezeichnenderweise den Namen Klaus Staeck nur als eine Abteilung unter anderen. Die Edition wird da vorgestellt, vor allem aber die „Aktion für mehr Demokratie“. Als Neuheit gibt's die Möglichkeit, Staeck-Poster als elektronische Grußkarten zu verschicken und eigene Kommentare zu platzieren (die mitunter ein zweifelhaftes Bild auf die deutsche Intelligenz werfen). Früher fand man etliche schriftliche Auseinandersetzungen von Staeck selbst (etwa zum drohenden Irakkrieg und den Bundestagswahlen) oder von Journalisten, die über ihn geschrieben hatten. Etwas aber schien ihn doch verblüfft zu haben: dass jemand ihm bescheinigte, er sähe dem bayerischen Ex-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber ähnlich, welch ein Fettnapf! Was machte der Staeck in so einem Fall? Er steckte es weg, indem er einen Artikel schrieb.
Die Bilanz wäre unvollständig, wenn man Staecks weitere Talente verschwiege: den Präsidenten der Berliner Akademie der Künste etwa, den Organisator, der in öffentlichen Veranstaltungen die Bürger zu „mehr Demokratie“ anstachelt. Den Verfasser von politischen „Staeck-Briefen“. Nicht zuletzt auch den Fotografen. Leise und ironisch lichtet Staeck, da, wo er sie findet, die Absurditäten des Alltags ab. Das begann schon im umweltverseuchten Bitterfeld in der DDR, wo Staeck aufwuchs, bevor er 1956 nach Heidelberg kam, und es setzt sich fort bis heute. Fotografien von ihm waren bereits in der umfangreichen Autobiografie „Ohne Auftrag“ zu sehen, die 2000 im Göttinger Steidl Verlag erschien. Im September/Oktober 2002 fand erstmals eine Staeck-Fotoausstellung unter dem Titel „Der zweite Blick“ in der Kölner Galerie Holtmann statt mit Arbeiten, die den Betrachter teils amüsiert, teils sehr nachdenklich, ja mitunter erschrocken zurückließen. Der Fotoband "Frohe Zukunft" von 2004 vereint Aufnahmen aus 30 Jahren, die Publikation "Nichts ist erledigt" mit Beiträgen verschiedener Autoren stellt eine Retrospektive dar (2004), und zuletzt (Herbst 2007) gab es "Scharfe Sachen" von Klaus Staeck zu sehen in der Galerie am Ratswall in Bitterfeld.
Wird einer, der von Natur ein Kämpfer ist, jemals wirklich alt? Von Klaus Staeck sollte sich das niemand erhoffen. Zäh und beharrlich wird er uns noch lange die Augen öffnen und uns sagen, was wir nicht hinnehmen dürfen, auf keinen Fall. „Der Kampf geht weiter“ hieß ein Artikel auf seiner Website. Ja, also dann!
Info:
- http://www.staeck.de
- Klaus Staeck: „Ohne Auftrag“, Steidl Verlag, Göttingen 2000, 224 Seiten mit zahlreichen SW- und Farbreproduktionen, ISBN 3-88243-739-1.
- "Frohe Zukunft", Fotografien von Klaus Staeck aus 30 Jahren, Steidl Verlag, Göttingen 2004, 184 Seiten mit 128 Farbfotos, 24 Euro, ISBN 3-86521-044-9
- "Nichts ist erledigt", eine Retrospektive, 184 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Steidl Verlag, Göttingen 2004, Preis 25 Euro, ISBN 3-86521-096-1, http://www.steidl.de/ |