Jahresschau 2007 bei Peter Plöderl


Medusenköpfchen, aus einer zweischichtigen Muschel geschnitten: die rötlich braune Unterschicht der Muschel schimmert bei Beleuchtung von hinten rosig auf das milchig weiße Gesicht durch. Plöderl umgab die Kamee aus dem 19. Jahrhundert mit einem breiten Rand aus oxidiertem Gold und legte kleine goldene Schlangenwülste mit Diamantenköpfchen darüber.


Ein 6 cm langer, altägyptischer Skarabäus zeigt seine reich gravierte Schnittfläche. Das seltene Stück kann als Anhänger an einem Collier aus blauen Lapislazuliperlchen getragen werden. Plöderl wiederholte deren Blau durch die Anfügung zweier Sternsaphire, die dem göttlichen Käfer eine spirituelle Aura verleihen.


So verschieden kann Bernstein sein: Oben ein von bizarrer Höhlung durchzogenes Stück aus der Karibik mit bläulichem Schimmer, darunter ein honiggelber, vollkommen klarer Bernstein aus Mexiko, an dem wiederum eine Tahitiperle hängt. In die Höhlung des "blauen" Bernsteins legte Plöderl eine Goldlinie; sie endet jeweils an den Außenpunkten in einer halben Volute, die eine mit Diamanten besetzte Goldapplikation umfängt.


Chinesische Jade, kombiniert mit Tahitiperlen - ein verwandter und doch ganz verschiedener Schimmer zwischen Weiß, Grau, Rosa und anderen Tönen. Eine mit winzigen Diamanten besetzte Goldapplikation im unteren Viertel der Jadescheibe wiederholt deren Formmotive und fügt durch die Lichtbrechung der Steinchen ein ganzes Spektrum gleichsam immaterieller Farben hinzu. Ähnliche Diamanten "feuern" auch an den beiden Halteringen des Perlencolliers am oberen Rand der Jadescheibe.

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Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung des Ateliers Peter Plöderl

 

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27-09-2007

Archaische Fundstücke, geheimnisvoll aufgeladen

Goldschmiede-Atelier Peter Plöderl zeigt Kostbarkeiten aus der Jahresproduktion 2007

 

Von Christel Heybrock

 

Skarabäen, Glasperlen, Kameen und Muscheln sind immer kleine Schätze. Aber es gibt so viele, dass man ihnen nur selten individuelle Unverwechselbarkeit zugesteht. Man sieht ein-, zweimal hin, empfindet vielleicht so etwas wie Rührung angesichts alter Zeiten oder ferner Strände, und geht dann zur Tagesordnung über. Bei Peter Plöderl kann man genau das nicht. Alles, was aus seinem Atelier kommt, ist nicht nur einzig auf der Welt, sondern auch von einer Ausdrucksenergie, dass man einem Stein, einer Perle, einem antiken Fundstück nachgerade Beseelung zuschreibt. Beseelung – nicht etwa laute Aufdringlichkeit.

 

Ausgangspunkt von Plöderls Kunst, die eine Meisterschaft der Einfühlung und des Mitdenkens ist, muss wohl schon sein Blick sein, sein spontanes Auswählen von Dingen, in denen verborgene Möglichkeiten schlummern. Unsereins würde eine undurchsichtige alte Glasperle oder eine winzige römische Münze nicht als inspirierend empfinden. Für Plöderl aber scheint sich jedes Mal eine Welt zu öffnen – und diesen Rang gibt er den Dingen dann auch deutlich sichtbar zurück.

 

So findet sich in der Jahresproduktion 2007 eine Kamee mit einem Medusenköpfchen in Profilansicht (Foto oben). Das bläulich-weiße, von Schlangengewürm umgebene Köpfchen erhebt sich auf einer halb transparenten, braunen Unterlage: Das kleine Fundstück ist eine Rarität aus dem 19. Jahrhundert, geschnitten aus einer Muschel. Doch für sich allein hat die Kamee nur begrenzte Ausstrahlung. Was Plöderl daraus machte, mit vergleichsweise geringen Mitteln, gibt ihr eine Aura von Geheimnis und magischer Tiefe, als handle es sich um Schatzkunst aus einem verschütteten rituellen Zusammenhang: Die braune Unterschicht der Muschel setzt sich fort in Plöderls Fassung, die einen breiten, etwas abgeschrägten Rand aus bräunlich oxidiertem Gelbgold ergibt. Gold-Oxidierungen setzt Plöderl seit einigen Jahren mit Vorliebe ein, wenn es um besondere Farbwirkungen geht, etwa um Varianten eines Perlentons oder, wie bei der Medusa, um eine feine Wärme, die mit dem Frauenköpfchen kontrastiert. Auf den dunkelrotbraunen Rand setzte er ein Geflecht kleiner Goldwülste, um das Schlangenmotiv weiter zu führen, aber hier haben die Schlangen glühende kleine Köpfe: Die Enden der Goldwülste bestückte Plöderl mit naturfarbenen Diamanten, deren Feuer die rotbraunen Töne intensiviert. Das Ganze wirkt fast sakral und zugleich wie ein kleiner Schild. Dass man (frau) es als Brosche tragen und in eine banale Gegenwart transponieren kann, spielt künstlerisch eigentlich keine Rolle – aber wie alle Plöderl-Stücke wirkt auch dieses an einem Pullover, einer Jacke, einer Rüschenbluse nicht fremd, sondern seltsamerweise apart und natürlich.

 

Keine Jahresausstellung ohne Skarabäus – wie kaum eine andere antike Kultur liebt Plöderl die ägyptische. Der diesjährige, rund 2500 Jahre alte Skarabäus jedoch ist mit seinen Proportionen von 6 x 4 Zentimetern fast ein Riese (Foto oben). Das aus einer Pariser Galerie erworbene Stück zeigt auf der nach außen gekehrten Schnittfläche auch nicht allein Hieroglyphen und Tiergötter, sondern eine zentrale menschliche Figur mit ausgebreiteten Armen. Welche Bedeutung die Darstellung einst hatte, wird sich vielleicht einem Spezialisten erschließen. Plöderl umgab sie jedoch mit Kostbarkeiten, die archaischen Kult herauf beschwören: Er barg den „Käfer“ in einer breiten Goldfassung und setzte am oberen Ende zwei diamantenbesetzte Schlaufen an, am unteren Ende einen Steg, an dem zwei Sternsaphire die ovale Skarabäus-Form in Varianten wiederholen, einmal querliegend, einmal längs. Der Skarabäus selbst hat kaum Farbwirkung. Plöderl zog durch die Goldschlaufen am oberen Ende ein Collier aus 30 Strängen königsblauer Lapislazuliperlchen und nahm das Blau am unteren Ende wieder auf in einem gedämpften, leichteren und einem verdichteten Ton bei den beiden Saphiren. Die aus Burma stammenden Steine haben immerhin 42,3 und 10,26 Karat, sind mit ihrer geheimnisvoll changierenden Innenreflexion also ein Ausdruckselement, das den spirituellen Anspruch des Skarabäus sichtbar bestätigt. Die Form ihrer linsenartigen Buckel zitierte Plöderl noch einmal beim Verschluss des Colliers mithilfe von linsenförmigen Elementen aus Gelbgold. Nicht zuletzt stellen diese Formmotive auch Varianten des Skarabäus selbst dar, dessen Buckelrücken freilich unsichtbar als Unterseite getragen wird.

 

Ein unglaubliches Fundstück in der Jahresschau ist ein Bernstein aus der Karibik (Dominikanische Republik, Foto oben). Er setzt einer Reihe karibischer Bernsteine mit ihrem seltsam bläulichen, matten Schimmer, die Plöderl in den letzten Jahren faszinierten, die Krone auf, weil er von einer verschlungenen Höhle durchbrochen wird. Plöderl betonte die labyrinthische Öffnung, indem er ihre Kontur mit einem schmalen Goldwulst nachzog, der an den Austrittspunkten jeweils in einer halben Volute endet und eine kleine, mit grünbraunen Diamanten besetzte Goldapplikation umschlingt. Er hängte einen zweiten, kleineren Bernstein aus Mexiko an den großen an, der nun einen herzförmigen, in dunkelgelber Klarheit erstrahlenden Trabanten hat, und an diesem wiederum hängt eine Tahitiperle. Das dreiteilige Ensemble, das die abenteuerlichen Formkräfte der Natur bewusst macht,  lässt sich als Anhänger an einem Collier tragen: Ein Ring aus oxidiertem Gold, der als Schlaufe dienen kann, ist wiederum mit naturfarbenen, grünbraunen Diamäntchen besetzt.

 

Plöderls Schlaufen sind ja fast ebenso berühmt wie seine Verschlüsse. Als er ein 2000 Jahre altes Collier aus dem Vorderen Orient entdeckte, war es wieder mal um ihn geschehen: Die üppigen 36 Stränge aus Fayence-, Türkis- und opaken Glaselementen musste er haben, um ihnen eine leuchtende Gegenwart zurückzugeben. Er durchsetzte die Originalelemente, deren sicher einst kraftvolle Farbigkeit in gedämpften Tönen von Rot, Grün, Schwarz und Gelb überlebt hat, mit kleinen Goldperlen und fasste die ganze Pracht in einem herrlichen, verschiebbaren Ring zusammen: schwarz oxidiertes Silber und Feingold, besetzt mit winzigen, gelbgrün feuernden Diamanten – die Farben der Kette werden im Ring aufs Feinste wiederholt. Kleine Hülsen im selben Stil sowie linsenförmige Goldelemente akzentuieren die Enden des Colliers und den Verschluss.

 

Ein weiteres Collier lässt sich wieder einmal (mittels eines raffinierten Knebel-Mechanismus) von seinem Anhänger trennen, obwohl es seine Schönheit erst richtig im Wechselspiel von Tahitiperlen und einer alten chinesischen Jade entfaltet (Foto oben). Der ziemlich schwere Jade-Anhänger, eine unregelmäßig runde, zweischichtige Scheibe mit komplizierten Durchbrüchen, hat mit seinem milchigen Grauweiß kaum Farbe. Die bekam er nun auch weder von den Perlen des Colliers noch von Plöderls Bearbeitung – wohl aber erhielt er wunderbare, dem Blick sich immer wieder anders darbietende Nuancen. Zunächst versah Plöderl die Jade am oberen Ende mit einem schmalen Goldbügel und zwei kostbaren, mit kleinen Diamanten besetzten Ringen, damit sich ein Collier überhaupt anbringen ließ. Tahitiperlen, nun ja – aber was für welche... Eine fast schwarze mit eigenwilligen Wachstumsrillen hängt am unteren Ende der Jadescheibe, und das Collier selbst enthält Perlen von einer Individualität, wie man sie selten sieht: zwischen Grau und Rosa, Weiß und Honigtönen sind sie alle verschieden, scheinen aber auf geheimnisvolle Weise verwandt mit dem Schimmer der Scheibe. Und dann die winzigen Diamanten – Plöderl applizierte dem Stein ein dem Stil der Jade angepasstes Feingoldplättchen, von Diamanten besetzt, die alle Farbnuancen verdichtet noch einmal wiederholen. Naturfarbene Diamanten von insgesamt 3,7 Karat – Steinchen von dieser Größe, gleichsam auf eine Fläche gestreut, wirken kaum als greifbares Material, sondern nur durch ihre Lichtbrechung; sie lassen Farben als spirituelle, materielose Erscheinung auftreten.

 

So ganz war es Plöderl offenbar nicht genug mit dem Thema Jade. Grüne Jade in Form kleiner gravierter Tönnchen, jedes verschieden in Farbton und Formgebung, arbeitete er zum Collier, indem er graue Tahitiperlen und Goldlinsen integrierte. Beim Steckverschluss fügen sich zwei Ringplättchen aus Feingold passgenau ineinander – eine von Plöderls geistreichen Verschlusslösungen. Und nicht genug war es ihm offenbar auch mit dem Thema Südseeperlen. Da musste er ein weiteres Collier aus wiederum lauter individuellen Einzelteilen gestalten: Perlen in Grau, Weiß, Rosa ..., keineswegs alle kugelig, manche fast tönnchenförmig, alle mit ausgeprägten Wachstumsrillen, allein solche Naturgewächse angemessen wahrzunehmen, fordert bewusstes Sehen. Natürlich kann man/frau auch diese lebendige Herrlichkeit ohne Anhänger tragen. Aber der ist erneut ein atemberaubendes Stück Natur: Plöderl kombinierte das Perlencollier mit einer brasilianischen Aquamarin-Navette, einem berückend klaren, seegrünen Stein von 40,16 Karat in raffiniertem Multifacettenschliff.

 

Und wer will, kann gleich mit einem passenden Ohrsteckerpaar weiter machen. Für jedes Ohr eine  Südseeperle, daran je ein klarer Navette-Stein in diesem neuartigen Facettenschliff – es klingt so simpel und ist doch in Wahrheit unbeschreiblich fein und differenziert. Die beiden Stecker sind nämlich so verschieden wie die Ohren an einem Kopf. Die beiden überaus seltenen Südseeperlen haben einen zarten, goldfarbenen Grundschimmer, der bei einem Exemplar jedoch leicht ins Rosé tendiert. An dieser Perle hängt ein völlig klarer, durchscheinender Beryll von gelblichem Ton. Soweit das eine Ohr. Das andere ziert nicht nur eine differierende Perle, sondern auch ein zwar ähnlich geformter, aber anderer Stein – ein Aquamarin, wasserklar, von heller, graugrüner Tönung.

 

Noch mehr Ohrstecker? Da wäre beispielsweise noch ein Paar mit Amethysten aus einer brasilianischen Mine, zwei herzförmigen, ziemlich großen Steinen von mehr als 2 Zentimeter Durchmesser, wieder in diesem Multifacettenschliff. Am oberen Ende jedes Amethysts brachte Plöderl eine mit Diamäntchen besetzte Goldscheibe an, mit der die Form der Steine aufgenommen und variiert wird. Man kann diese Scheibchen herausnehmen, es bleibt dann nur die Rahmung mit dem Stein übrig. Auch diese beiden Stecker sind aber in Nuancen verschieden – der eine ist dunkler und trägt ein Inlay aus oxidiertem Gelbgold mit naturfarbenen, goldgelben Diamanten, der andere, hellere, hat ein Inlay aus Weißgold mit weißen Diamanten.

 

Es ließen sich noch viele Schätze aufzählen, aber Wörter geben nur höchst unvollkommen wieder, was sich in diesem Atelier lernen lässt ... über die ästhetischen Energien im Innern der Erde wie im Innern der Ozeane und über die mythischen Kräfte der Menschheit und eines Meisters, der sie wieder zu wecken versteht. Selber sehen ist unerlässlich!

 

Info:

Goldschmiedeatelier Peter Plöderl, Friedrichsplatz 3, 68165 Mannheim, Jahresschau 2007 vom 17. Oktober bis Jahresende, Dienstag bis Freitag 10-18 Uhr, Samstag 10-13 Uhr, und nach Vereinbarung (Telefon 0621-151679).

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