Jahresschau 2006 bei Peter Plöderl


Collier mit äthiopischer "Opalnuss" - so schön können Plöderl-Kreationen von der Rückseite aussehen. Ein knubbeliger Opal, dessen Matrix auf der Vorderseite an ein Herbstblatt erinnert, wurde auf der Rückseite mit einer dünnen Schicht dunkelgrau oxidiertem Gold überzogen und mit kleinen Diamanten besetzt. Eine dreidimensionale Variante des Herbstblatt-Motivs - die Vorderseite des Anhängers ist auf dem nächsten Foto zu sehen.



Die Opalnuss mit Herbstblatt-Ansicht von der Vorderseite. Einen der ungewöhnlichen äthiopischen Opale arbeitete Plöderl zum Fingerring (links auf dem Foto), indem er die Goldfassung an die unregelmäßige Kontur des Steins anpasste.

 


Sassanidische (altpersische) Achatsiegel, deren gravierte Schnittflächen man erst bei genauem Hinsehen entdeckt. Die in differenzierten Blau- und Grautönen schimmernden "Perlen" wechseln mit schmalen Goldlinsen ab, ein diamantenbesetzter Knebelverschluss (hier nicht sichtbar) gehört zu Plöderls Spezialitäten.


Ein schwarzes Rollsiegel aus Syrien, oben und unten mit diamantenbesetzten Goldelementen bestückt, deren bauchige und muldenartige Formen auf die leichte Einbuchtung des Siegels antworten. Unten hängt ein tropfenförmiger dunkelblaugrüner Turmalin an dem Ensemble, das als Anhänger an einem Collier aus Tahitiperlen dient.

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Fotos mit freundlicher Genehmigung von Peter Plöderl

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08-10-2006

Geisterhaftes Feuer aus der Tiefe
 
2006 zeigt Goldschmied Peter Plöderl zum 23. Mal seine aktuelle Jahresproduktion in Mannheim 

Von Christel Heybrock 

 

Seine Begeisterungsfähigkeit für die Schätze, die aus der Erde kommen, hat er im Laufe eines erfahrungsreichen Künstlerlebens in keiner Weise verloren. „Opale wie diese hier hab' ich noch nie gesehen“, frohlockt Peter Plöderl und legt dem verblüfften Besucher vier Stücke von einem neuen Fundort in Äthiopien vor. Wer immer Opale liebt, diese feenhaft zarten, in allen Nuancen von Blau und Grün leuchtenden Steine, muss in der Tat hier erst mal schlucken: Einer der beiden ansehnlich großen Collier-Anhänger und die beiden Fingerringe, die der Österreicher aus Mannheim in seiner Jahresausstellung 2006 zeigt, glühen dunkelblutrot auf einer grauen Schicht Muttergestein, einer gar ist von Mutter Natur in die Form eines roten Herbstblättchens kristallisiert worden. Erst wenn man die seltenen Stücke dreht und kippt, um sie durch wechselnden Lichteinfall auszuloten, feuern sie einem aus geheimnisvollen Tiefen kleine Blitze aus Gelb, Grün, Rosahellrot und Blau ins Auge.

 

Vielleicht gibt es keinen Stein, dessen äußere Form sich beim Kristallisierungsprozess derart unterschiedlich entwickelt. Opale können mal als Linse, mal als Halbmuschel, mit unregelmäßig gerundeten Rändern oder tastbaren Wellen und Erhebungen auf der Oberfläche in Erscheinung treten. Die äthiopischen in Plöderls Atelier sind, ungewöhnlich genug, kleine „Nusshälften“, kleine runde Knubbel, deren überwältigendes Innenleben nicht zu ahnen war, bevor man sie aufschlug. Und es ist völlig klar, dass ein Künstler wie Plöderl diese Form nicht etwa überspielen und einebnen will, sondern sie bewusst hervorhebt – dieser Meister der Einfühlung hat ein instinktives Gespür für die Unverwechselbarkeit und Einmaligkeit jedes einzelnen Steins, jeder einzelnen Perle, jedes Korallenästchens und überhaupt jedes Fundstücks.

 

Die Opal“nüsse“ also dürfen ihre halbkugeligen Rundungen dank ausgeklügelter Plöderl-Fassungen auch auf den Rückseiten zeigen. Der „Herbstblatt“-Opal (Fotos oben und Mitte)beispielsweise wurde hinten erneut zum Blatt, indem sich eine Millimeter dünne Schicht oxidiertes (dunkelgraues) Gold in Form eines gezackten Blättchens über die Kuppe legt und damit die graue Farbe der Opalmatrix variiert. Und erneut blitzen viele kleine Feuerchen auf, dieses Mal nicht aus der Tiefe des Steins, sondern aus winzigen Diamäntchen in grauen und braunen Naturtönen, mit denen die dunkle Goldschicht bestückt wurde. Das Spiel mit den unterschiedlichen Naturfarben von Diamanten beherrscht Plöderl meisterhaft – normalerweise werden von seinen Kollegen ja nur die kalten, weißen Diamanten ohne jeden individuellen Ausdruck verwendet. Bei Plöderl wachen die Steine förmlich auf, werden lebendig, scheinen unmerklich zu atmen. Der Goldreif eines der beiden erwähnten Opalfingerringe ist daher an verschiedenen Stellen mit graugrünen Diamäntchen besetzt, was immer wieder Überraschungen ergibt, denn der Reif führt über gleich zwei Finger. Der zweite Opalring dagegen präsentiert sich wieder mit einer Blättchenform auf der Steinrückseite – besetzt mit Diamanten in Rosenholzfarbe.

 

Vergessen werden darf aber auch der zweite große Opal-Anhänger nicht, immerhin wurden oben vier Stücke erwähnt. Mit dem hat es nämlich folgende Bewandtnis. Aus seiner dunkelgrauen Matrix heraus zeigt sich das kleine Naturwunder von vier Zentimetern Durchmesser auf den ersten Blick als schneeweiß mit unmerklichem Verlauf in ein Eierschalen-Braun zu einer Seite hin. In der Form gibt es eher eine dicke Scheibe ab als eine Halbkugel, so dass Plöderl den Stein in einen Zentimeter breiten Feingoldzylinder fasste. Aber einen Opal kann man natürlich nicht in Ruhe lassen, man muss Opale immer drehen und in diverse Ebenen kippen, um herauszufinden, was sie zu sagen haben, und dieser hier versprüht sein Temperament plötzlich aus unzähligen kleinen Zellen. Der scheinbar unschuldig weiße Stein ist tatsächlich in wabenförmigen Facetten gewachsen, und jede feuert ihre Blitze aus einem anderen Winkel ab. Plöderl war so fasziniert davon, dass er den Stein auch auf der Unterseite freiließ und ihn nur durch einige wenige Feingoldstege mit der Fassung verband. Dass die mit rosenholzfarbenen Diamanten besetzt und auch an den Seiten teilweise offen ist, hat seinen delikaten Sinn – die Farbe der kleinen Diamanten nimmt das Feuer des Opals wieder auf, während die Ausschnitte seine Form variieren und die Gravurlinien (in die die Diamanten eingelassen sind) den Verlauf seiner Adern fortführen.

 

„Opale mit derartiger Ausdruckskraft sind viel seltener als Diamanten“, definiert Plöderl seine Liebe zu diesem Stein, der in etlichen Erscheinungsformen wieder die aktuelle Jahresschau akzentuiert. Ein ganz ungewöhnliches Stück stammt aus Australien, ein Opal, der leuchtend blaugrün wie ein schmaler Zweig in dunkelbrauner Matrix wuchs und damit fast an ein Gemälde erinnert. Plöderl fasste das Gebilde in einen rechteckigen, fein geschlitzten Goldrahmen, den er an den Ecken mit Diamanten belegte, und setzte an der Oberkante eine kostbare Goldschlaufe an, über die die Diamanten weiterlaufen – man kann ein schlichtes schwarzes Lederband hindurchziehen und das Bildchen als Anhänger tragen oder aber wirklich an die Wand hängen, wenn man mag.

 

Die Ausdrucksnuancen bei Plöderl ergeben auch bei anderen Arbeiten eine verblüffende Bandbreite zwischen harmonischer, unaufdringlicher „Tragbarkeit“ einerseits und völliger Eigenständigkeit andererseits. Man wird diesen lebendigen Schöpfungen durchaus gerecht, wenn man sie nur anschaut, sie sind zwar einsetzbar als „Schmuck“, aber in sich selber gleichzeitig etwas ganz anderes und viel mehr als das. So entstanden aus einem altpersischen Rollsiegel inzwischen zwei Objekte: das eher unscheinbare Siegel wurde zum Anhänger eines Colliers – und sein Abdruck auf einem Feingoldplättchen, das eine veritable Jagdszene zeigt, leuchtet als Deckel auf einem winzigen Silberkästchen. (In der Jahresschau 2002 bildeten Siegel und Abdruck noch eine Einheit als Brosche oder Collier-Anhänger.)

 

Siegel als uralte, mitunter Jahrtausende überspannende Fundstücke aus dem Orient hat Plöderl häufig in seine Entwürfe integriert. Auch dieses Mal sind sie wieder zu finden. Ein römisches Karneol-Siegel (winzig darauf: Amor mit Hund) fand seinen Platz neben Schwarzopalen auf einem farbenschwelgenden, mit Goldtröpfchenbändern besetzten Fingerring. Ein syrisches Rollsiegel aus tiefschwarzem, dem Steatit ähnlichen Stein wurde oben und unten buchstäblich mit Goldaufsätzen gekrönt – in die obere Krone greift ein Collier aus Tahitiperlen (dazu gibt’s einen Ring mit farblich passender Riesen-Tahitiperle), und an der unteren Krone hängt ein tropfenförmiger Turmalin, alter Facettenschliff von nostalgisch edlem Ausdruck, glasklar, dunkelblaugrün (Foto oben).

 

Orientalische Siegel treten aber keineswegs immer in der zylindrischen Rollform auf. Ein ganzes Collier aus teilweise bis zur Unkenntlichkeit abgeschliffenen sassanidischen (altpersischen) Achatsiegeln scheint zunächst aus dicken Steinperlen zu bestehen. Erst bei genauem Hinsehen entdeckt man die stempelförmigen Schnittflächen sowie hin und wieder noch Bildmotive wie beispielsweise einen Vogel auf einem Zweig. Plöderl, begeistert von den differenzierten, feinen Farb- und Formunterschieden der einzelnen Stücke, legte verschiedenfarbige kleine Goldlinsen dazwischen und gab dem Ganzen einen seiner kostbaren, mit kleinen Diamanten besetzten Knebelverschlüsse. So entrückt und geheimnisvoll haben die einzelnen Siegelperlen sicher nicht mal im Neuzustand ausgesehen.

 

Mitunter sind es die Farben eines Steins, die Plöderl dazu drängen, seine Schönheit herauszumodellieren. Das ist wie in der Malerei: Farben reagieren aufeinander, treten in Beziehung zu ihrer Nachbarschaft, ein Rot neben einem Blau glüht intensiver als neben Violett, und Grün neben Orange tobt sich heftiger aus als neben einem stumpfen Oliv oder Braun. Insofern geriet ein Set aus silbernem Armreif und einem Collier mit fliederfarbenen Chalcedon-Kugeln zu einem unglaublich feinen, femininen Farbenspiel. Plöderl kombinierte nämlich die alten indischen Chalcedone mit Regenbogen-Mondsteinen, die ihrerseits in Blau und Aprikosenfarben changieren, sowie mit Amethysten, die das Farbspektrum von der andern, dunkel-violetten Seite her aufgreifen.

 

Mit subtilen Farben wird in der neuen Jahresschau nicht gegeizt. Wer wird sich jemals satt sehen an einer etliche Zentimeter großen, runden Scheibe aus Neuseeland – dunkelgrüne Jade, von innen nach außen volutenförmig eingeschnitten! Plöderl legte ein mit Diamanten besetztes Band aus oxidiertem Gold in die glücksbringende Volute und wiederholte das Schneckenhausmotiv winzig klein am Anhängerglied am oberen Rand. Wie immer ist es unmöglich, die Produktion eines ganzen Jahres auch nur andeutungsweise zu erfassen. Der Mann lebt, atmet und arbeitet schließlich ohne Unterschied, und man kann sicher sein, dass er von Gold, Steinen und archäologischen Funden sogar träumt.

 

Info:

Goldschmiedeatelier Peter Plöderl, 68165 Mannheim, Friedrichsplatz 3, Eröffnung Freitag, 13. Oktober 2006, 11-20 Uhr; bis 24. Oktober 2006, Dienstag bis Freitag 10-18 Uhr, Samstag 10-14 Uhr, Tel. 0621-151679, Fax 0621-27311.

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