Jahresschau 2005 bei Peter Plöderl

Brosche aus drei Skarabäen und vier Schwarzopalen in Goldfassung, die sich seitlich zu kleinen Näpfchen ausbuchtet. Darin befinden sich jeweils goldfarbene Diamanten. Oben links ein Ring aus römischem Siegel mit unbekannter Stehfigur, die die Arme ausbreitet (ca. 300 n.Chr.). Plöderl umgab das Siegel wie ein Miniaturgemälde mit einem Rahmen aus weißen Diamanten.

 

Der Knüller des Jahres: winzige ägyptische Keramikwürfel aus der 18. Dynastie, von Plöderl zu einem Collier mit drehbaren Teilen sowie drei Ringen gearbeitet, von denen hier einer zu sehen ist (rechts, schräg liegend). Die beiden Würfel des Colliers hängen an einem herzförmigen Goldkörper, der mit goldfarbenen Diamanten besetzt ist (hier sieht man nur die Rückseite). Ein Schwarzopal trennt die kleinen, goldgefassten Keramikreliefs, von denen das größere ebenfalls von Diamanten gesäumt ist (hier nur Blick auf die Rückseite).

  

 

Elfenbeinblüte aus dem Biedermeier. Plöderl setzte einen goldenen, mit Diamanten besetzten Stiel und ein eben solches Blatt an das Fundstück. Der Stiel ist aus teilweise oxidiertem Gold und wirkt mit Grün- und Brauntönen fast wie natürliches Holz.

 

 

Aus dem elfenbeinernen Kropfbandschmuck einer Dame aus dem 19. Jahrhundert machte Plöderl eine Brosche, die aufgrund ihres perspektivisch verzerrten Goldrahmens wie ein Kästchen wirkt. Naturfarbene graugrüne Diamanten säumen die Kanten.

 

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Fotos mit freundlicher Genehmigung von Peter Plöderl

 

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11-10-2005

Aus den Tiefen der Erde und der Geschichte

Jahresschau 2005 im Mannheimer Goldschmiede-Atelier von Peter Plöderl

 

Von Christel Heybrock 

 

Noch immer hält ihn auch das Elfenbein gefangen. Eine köstliche, in zartesten Blättern sich öffnende Blüte, Produkt des europäischen Biedermeiers, konnte Goldschmiedekünstler Peter Plöderl einfach nicht sich selbst überlassen – er gab ihr ein prachtvolles „Blatt“ als Unterlage nebst einem mit Dornen versehenen Stiel aus teilweise oxidiertem Gold, das von fast grün bis dunkelbraun so wirkt wie natürliches Holz. Und überall sind kleine naturfarbene Diamanten auf die Goldpartien gesät (Foto oben Mitte). So kostbar und aufwändig dieses Stück auch ist, nichts daran wirkt aufdringlich oder protzig, alles bleibt nah an der Natur. In seiner Jahresschau 2005 ist die Blütenschönheit zu sehen.

 

Und Blüten drängen sich auch auf einer Elfenbeinbrosche (tragbar wie fast immer bei Plöderl auch als Collier-Anhänger), die einst das schicke Kropfband einer Dame im 19. Jahrhundert abgab. Unter Plöderls Händen wurde das bezaubernde, aber völlig aus der Zeit heraus gefallene Stück zur Vortäuschung eines geheimnisvollen Kästchens. An zwei Seiten umgab er die Elfenbeinschnitzerei mit einem breiten, perspektivisch verzerrten Goldrahmen, und natürlich ziehen sich kleine graugrüne Diamanten über die Goldkanten (Foto oben).

 

Historische Fundstücke, meist jedoch aus weiter zurückliegenden Zeiten, faszinieren den Meister nach wie vor, und ägyptische Skarabäen kann er offenbar überhaupt nicht liegen lassen. Einen dieser magischen Käfer, entstanden um 1400 v. Chr. und mit winzigen, hervorragend erhaltenen Ritzspiralen auf dem Bäuchlein verziert, arbeitete er in einen Ring ein: breiter, flacher Goldreif, nach links mit dem ägyptischen Lebensschlüssel-Zeichen versehen, nach rechts mit eingelegten Diamäntchen, deren Reihen das Spiralmuster des Skarabäus zum Dreieck variieren.

 

Aufwändiger noch ist natürlich eine schmale, lange Brosche mit gleich drei Skarabäen, von denen der größte (mit dem Rücken nach oben) das Zentrum bildet und die beiden kleineren wieder mit den Bauchseiten zu sehen sind (eingeritzte Zeichen: Uräusschlange und Lebenslinien). Die drei Käfer werden jeweils durch einen Schwarzopal getrennt, und Schwarzopale verbreiten ihren feenhaften Schimmer auch an den beiden Enden des stabähnlichen Objekts. Natürlich schienen die Opale Peter Plöderl noch nicht ausreichend. Er legte alles zusammen in eine Goldfassung, die jedes Teilstück sanft umrundet und seitlich zu kleinen Tropfen ausläuft – und die halten wie Millimeter große Näpfchen je einen goldfarbenen Diamanten (Foto oben).

 

Das Motiv der Goldfassung, die sich wie ein weiches Tuch um ein Einzelteil herumlegt, kam auch einer dick gewölbten Opalmuschel zugute, die in ihrem zarten Schimmer zwischen Blau-Grün und Rosa-Rot ein Collier aus großen Süßwasserperlen mit Feingoldscheibchen ziert. Über Jahre hinweg gibt Plöderl in immer neuen Kreationen seiner Faszination für Muscheln nach, die sichtbar noch im Stadium des Opalisierens sind – einmal fügte er einer lotusförmigen Muschel eine kleine ägyptische Reliefplatte mit drei Götterfigürchen hinzu, ein Ensemble, das alte Mythen ebenso heraufbeschwor wie die langen, langsamen Verwandlungsprozesse der Natur. Ohne Opale wäre auch diese Jahresschau kaum denkbar. Für einen Ring nutzte Plöderl die eigenartige, schmale Form eines Opals, der durch eine blaugrüne Bänderung auffällt. Plöderl setzte ihn längs auf den Fingerreif und noch einen ungewöhnlichen Diamanten direkt oberhalb dazu, eine Kostbarkeit in Rautenform, tief orangefarben und von dunklem Feuer, farblich auf geheimnisvolle Weise dem Opal verwandt und doch kontrastierend.

 

Wer jedoch glaubt, einen Opal immer auf den ersten Blick zu erkennen, dürfte hier noch etwas dazu lernen, kam doch ein Collier mit dunkel-marmorgrünen Opalen aus Mexiko als Teil eines ganzen Sets zustande, zu dem noch ein Fingerring und ein Armreif gehören. Die eigenartigen Steine kontrastieren mit archäologischen Spolien, die ihnen gleichzeitig „verwandt“ scheinen, so als käme alles zusammen aus versunkenen Epochen. Ins Collier wurden eine große, fast schwarze Tahitiperle und eine Steatitlinse aus einer baktrischen Kette eingearbeitet. Diese Linse aus dem Nordosten des Iran wird als Variante am Verschluss wiederholt - die fantasiereichen Verschlüsse aus Plöderls Atelier wären ein ganzes Kapitel für sich! Dieser Verschluss hier besteht aus einer Hohlform mit römischer Silbermünze, die den Helmkopf einer Amazone zeigt, natürlich von Diamanten gerahmt. Der dazu passende Ring trägt eine von Diamanten umsäumte „Alexander“-Silbermünze (wenn der hübsche Lockenkopf denn wirklich den Eroberer darstellt), und der zum Set gehörende Armreif wiederum, innen Silber, außen mattiertes Feingold, wurde von einem kreisrunden baktrischen Lavasiegel akzentuiert, dem Plöderl einen Rahmen aus oxidiertem Silber mit naturgrauen Diamanten gab.

 

Die lebendige Zufälligkeit von Fundstücken aus der Natur wie aus der Geschichte reizt ihn immer wieder zu ungewöhnlichen, freilich niemals bizarren Kombinationen. Der materielle Wert eines Objekts spielt dabei keine Hauptrolle, wichtig ist ihm vielmehr der individuelle Ausdruck der Teile, die er verarbeitet (was manchmal ihre Seltenheit voraussetzt). Und immer bringt er Dinge so zusammen, dass sie einander steigern und eine Erscheinung gewinnen, die den Betrachter fast mit spiritueller Andacht erfüllen muss. Was zum Beispiel soll man sagen zu einem Ring mit niedlichem Millefiori-Glasröhrchen, römisch, ziegelrot mit grünen und blauen Blümchen? Das undurchsichtige kleine Glasteil hätte für sich allein wohl einen harmlosen, fast biedermeierlichen Reiz. Aber nun tritt es auf mit Goldfassung und Goldkäppchen an beiden Enden und haftet an dem Ring so, dass ihm ein ähnlich schmaler Opal gegenüber liegt, ein Opal, der mit seinem roten Zauberfeuer das Rot des Glasröhrchens wieder aufnimmt. Und bei Änderung des Lichteinfalls zudem alle Spielarten zwischen Grün und Blau funkeln lässt...

 

Der Knüller der Jahresschau jedoch ist ein weiteres Set aus drei Ringen und einem Collier. Bei einem Pariser Händler fand Plöderl mehrere ägyptische Keramikwürfelchen aus der 18. Dynastie (15. bis 14. Jahrhundert v. Chr.). Unter einem dünnen Glasüberzug lässt sich ein ganzes, überaus fein eingeritztes und bestens erhaltenes Bildprogramm aus winzigen Figuren und Symbolen verfolgen, die offenbar Bezug nehmen auf Tutmosis III. und Amenophis II. und III. Die Würfelchen haben auf den Unterseiten alte Bohrungen. Die nutzte Plöderl für Stifte, so dass man die Teile nun in ihren goldenen Gitterfassungen drehen kann, um möglichst alle Bildseiten zu betrachten. Das Collier, an dem zwei der fingernagelgroßen Kuben hängen, besteht aus einer handgearbeiteten Feingold-Gliederkette mit einem großen, herzförmigen Goldkörper in der Mitte, besetzt mit goldfarbenen Diamanten. An diesem Herz hängt das größte, von Diamanten gesäumte Würfelchen, darunter ein kreisrunder Schwarzopal, dem folgt ein kleineres Würfelchen, und den Abschluss bildet ein kleiner Schwarzopal – eine Abfolge von sensibler Ausgewogenheit (Foto oben Mitte). Auch bei den drei Ringen wurden die ägyptischen Fundstücke mit Gold und kleinen Diamanten verarbeitet. Heraus kam ein Ensemble, das in seiner Substanz etwas ganz anderes ist als nur eine interessante Schmuck-Idee. Es scheint vielmehr die unsichtbare Macht vergessener Götter und Herrscher zu bewahren, ja geradezu deren Existenz zu beweisen. Man muss ja nicht dran glauben, aber Plöderls Kunst führt „Schmuck“ auf seine vergessenen archaischen Ursprünge zurück: auf Magie.

 

Info:

„Tradition und Innovation“, Jahresschau 2005 von Peter Plöderl Goldschmiedekunst, Friedrichsplatz 3, 68165 Mannheim, 14. bis 25. Oktober, Dienstag bis Freitag 10-18 Uhr,  Samstag 10-14 Uhr, Tel. 0621-151679, Fax 0621-27311.

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