Jahresschau 2004 bei Peter Plöderl

 

 

Ein chaotisch gewachsener schwarzer Turmalin-Kristall von 11 cm Länge (eigentlich ein Blauturmalin), von Plöderl in oxidiertem, mit kleinen Diamanten besetzten  Gelbgold gefasst. Durch die Längsrillen-Struktur auf der blauschwarzen Goldfassung wird die kristalline Struktur des Steins wieder aufgegriffen.

 

 

Schwarzweiße und sandfarbene persische Glasperlen aus dem 6. bis 9. Jahrhundert n.Chr. wurden mit einem diamantenbesetzten Anhänger aus oxidiertem Gelbgold sowie einer Tahiti- und einer Südseeperle kombiniert.

 

 

Der tropfenförmige Anhänger mit dem Diamantenbesatz hier noch einmal in Großaufnahme. Mit dem Feuer der kostbaren Steinchen auf dem schwarzen Gold variierte Plöderl die Schwarzweißkontraste der antiken Glasperlen.

 

 

Ein antiker römischer Bronzekamm, besetzt mit einem Feingold-Fries aus ägyptischen Motiven: Skarabäus, Horusauge, Anch-Schlüssel, Lebenslinien, dazwischen kleine weiße Diamanten und ein Navette-Diamant als Abschluss am linken Rand. Die Kreation von 1992 ist Teil der Jahresschau 2004.

 

URL dieser Website: http://www.kunstundkosmos.de/Bildende-Kunst/Ploederl2004.html

 

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Peter Plöderl

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18-10-2004

Die Aura der Dinge

Jahresschau 2004 des Mannheimer Schmuckkünstlers Peter Plöderl

 

Von Christel Heybrock 

 

Natürlich sind es Raritäten, an denen sich seine Fantasie entzündet. Manche würden auch dem Laien sofort ins Auge fallen, manche sind so unspektakulär, dass man sich erst einsehen muss. Immer aber scheint es bei Peter Plöderl schon beim ersten Blick auf ein neues Fundstück, einen Stein, eine Perle jenen Kick im Kopf zu geben, jenen Funken, der ihn spüren lässt: Das muss es jetzt sein, jetzt oder nie ...

 

Bei der Jahresschau 2004 in seinem Mannheimer Atelier sind es beispielsweise ein schwarzer Turmalin, ein Skarabäus mit altem Collier aus Steatit, eine römische Münze, Chalcedon-Kugeln, ein Rosenquarz-Stern oder alte persische Glasperlen. Plöderl ist kein Schmuck-Designer im üblichen Sinn. Nie würde er sich mit Papier und Zeichenstift an Schreibtisch oder gar Computer setzen, um sich irgendwelche schicken Entwürfe auszudenken. Seine Ideen kommen vielmehr aus den Dingen, die ihm begegnen. Er sucht ihre Einzigartigkeit, er antwortet ihnen in eindringlichem, schöpferischem Verstehen. Der schwarze (eigentlich schwarzblaue) Turmalin beispielsweise, ein Stein, den selbst er noch nie in dieser Form gesehen hat: undurchdringlich dicht (obwohl Turmaline ja glasklar sein können) mit sparsamen grauen Sprenkeln, ein 11 Zentimeter langer Stab, der sich vor seiner Bergung offenbar angeschickt hatte, im oberen Drittel auch noch in die Breite zu kristallisieren, jedenfalls wird die von feinen Rillen durchzogene Längsdehnung unterbrochen durch ein chaotisches Wuchern kleiner Kristallstäbchen in alle möglichen Richtungen. Ein unglaubliches Exemplar, gestalterisch kaum zu bändigen (Foto oben).

 

So etwas fordert Plöderl heraus. Er fasste den Stein in grauschwarz oxidiertes Gelbgold, das wie eine unregelmäßig gezackte Haube aufliegt und in feinen Kanneluren die Rillenstruktur des Turmalins fortsetzt – Form und Farbe der Fassung variieren die des Steins, sie bestätigen ihn und bilden doch einen Kontrast. Seine extreme Kostbarkeit aber wird erst spürbar durch das Feuer kleiner, in Reihen angeordneter Diamanten (3,01 Karat), die zwar in die Farbklasse graugrün gehören, aber auf dem warmen, dunkelbraunen Gold rötlich-orangefarbene Lichter entwickeln. Diese Fassung setzt sich in einer (ebenfalls mit Diamanten bestückten) Schlaufe fort, die man mittels Spezialverschluss in ein Collier aus schwarzgrün gefärbten Süsswasserperlen einhängen kann (mit dunkelgrauen Tahiti-Perlen, so Plöderl, würde das Ganze unbezahlbar). Der schwarze Turmalin kann also als Halsschmuck getragen – oder aber in einem schlichten schwarzen Ebenholzrahmen aus dem 18. Jahrhundert als Naturkunstwerk bewundert werden.

 

Der warme, matte Schimmer von oxidiertem Gelbgold bildet in der Jahresproduktion 2004 einen deutlichen Akzent, ähnlich wie Bergkristall im Jahr zuvor. Das braune Edelmetall formte Plöderl beispielsweise zu einem großen, tropfenförmigen Hohlkörper, besetzte es in feinfühliger Asymmetrie mit geschwungenen Linien kleiner Diamanten (3,5 Karat), die auch hier wieder die Farbklasse grau/gelbgrün repräsentieren, aber eher rötlich funkeln, und hängte es in ein Collier aus alten persischen Glasperlen ein (6. bis 9. Jahrhundert n. Chr.). Das cremeweiße bis hellgraue, opake Glas in ganz verschiedenen, unregelmäßigen Formen ist wunderschön schwarz bis dunkelbraun gebändert – diesen Farbeffekt nahm Plöderl in einer hellgrauen Tahitiperle und einer dunklen großen Südseeperle noch einmal auf, während dünne Feingoldlinsen sich schützend um die Kontaktstellen der Glasperlen legen (Foto oben).

 

Variationen eines Farbtons. Aber auch die Arbeit mit Kontrasten inspiriert den Meister, beispielsweise bei der römischen Porträtmünze (96 v.Chr.) eines herrlich gelockten jungen Mannes, einer Darstellung von ausgesuchter Feinheit und Qualität. Die Feingoldfassung mit einem Kranz „grauer“ Diamanten rund um die Münze war da nur angemessen. Deren Rundform wiederholt sich in einem an die Münze angehängten Schwarzopal in breitem Goldwulst und wird leicht zum Oval abgewandelt bei einem sich daran anschließenden, goldgefassten Boulderopal-Crystal (dem die Matrix abgeschliffen wurde). Die beiden Opale mit ihrem überirdisch grün-roten Feuer kontrastieren heftig mit dem silbrigen Glanz der Münze und bereiten zugleich auf den dunklen, schwarzgrünen Schimmer der großen Tahitiperlen vor, an denen diese dreigliedrige Kostbarkeit hängt. Auch die mit Diamanten belegte Goldschlaufe, in die das Collier eingeklinkt werden kann, wirkt wie ein Juwel. Das Rundmotiv wird außerdem noch einmal aufgenommen, indem auf die erste Tahitiperle ein Schwarzopal folgt und auf die nächste Perle ein Kügelchen aus oxidiertem Gelbgold mit „graugrünen“ (hier dunkelrot leuchtenden) Diamanten.

 

Das Spiel mit Farben betreibt Plöderl aus purer Begeisterung mit höchster Sensibilität. Niemals hätte er dem Rosenquarz-Sechsstern widerstehen können und niemals auch den 18 fliederblauen bis taubengrauen Chalcedon-Steinen (400 Jahre alt, vermutlich indisch), die er zu einem gemeinsamen Collier in Pastelltönen verarbeitete. Der Rosenquarz ruht, von „grauen“ Diamanten umgeben, in oxidiertem Silber und hängt an schmaler Goldschlaufe, auf der die kleinen Diamanten sich fortsetzen. In allmählich reduzierter Form wird die Schlaufe als Trennelement zwischen den Chalcedon-Perlen weitergeführt, zwischen denen sich auch die eine oder andere „richtige“ Perle verloren hat. Das Ganze ist ein sanfter Traum an Natürlichkeit, Unaufdringlichkeit und Lebendigkeit.

 

Der geheimnisvolle Grauschimmer der Chalcedone und die milchige Undurchdringlichkeit des Rosenquarzes sind nicht die einzigen Steine, von denen die Fantasie des Betrachters heftig angeregt wird. Mondstein ist auch so ein unergründliches, lockendes Material wie aus einer anderen Welt. Einen Mondstein von 2,2 Zentimetern Durchmesser in rätselhaftem Blau-Grau-Rosa nahm Plöderl für einen Fingerring. Um seine eigentümliche Farbigkeit zu stärken und zu variieren, fügte er an die Rundung des Steins einen schmalen kleinen Balken aus akkurat aneinander gelegten Saphiren, sieben insgesamt, alle tiefblau, alle im gleichen Karreeschliff. Ein Kontrast und eine Gemeinsamkeit, an denen man sich nicht satt sieht. Wer an einem Stein allerdings Klarheit und Durchsichtigkeit eher schätzt als Unergründlichkeit, wird sich vielleicht begeistern für einen Fingerring mit 19,43 Karat großem Beryll. Der kugelförmige Stein von reinem Grün ist vollkommen klar und gibt den Blick ins Innere frei auf Turmalin-Nadeln, die dort gewachsen sind – was für eine Seltenheit! Plöderl, selbst voll Andacht vor dieser Naturschöpfung, kombinierte sie mit grau-grün-rosafarbenen Tahitiperlen und einer Gelbgoldkugel, auf der creme-yellowfarbene Diamanten sprühen.

 

Nicht immer freilich müssen es Steine sein. Einen römischen Bronzekamm, schwarz vor Alter, überzog Plöderl mit filigranem Feingold-Fries aus ägyptischen Motiven: Skarabäus, Horusauge, Anch-Schlüssel, Lebenslinien ... Hin und wieder taucht ein weißer Diamant auf, und ein großer Navette-Diamant bildet auch den Abschluss (Foto oben, die Arbeit stammt aus dem Jahr 1992). Ein 300 Jahre altes, kolumbianisches Goldmäuschen dagegen versah Plöderl mit einem diamantenbesetzten, beweglichen Schnäuzchen, damit man es – vitaler und zugleich sensibler Kontrast – in ein Collier aus 61 Strängen winziger, mattroter Korallenscheibchen einhängen kann.

 

Eine unscheinbare Rarität, die man erst auf den zweiten, dritten Blick erkennt, ist jedoch ein Collier aus eierschalenfarbenem Steatit, einem Stein von geringer Härte und eigentlich keinem besonderen Wert. Nur: Die winzigen Würfelchen, die hier die „Perlen“ abgeben, sind rund 4000 Jahre alt und mit archaischen Kreis-, Spiral-, Blüten- und Kreuzgravuren verziert. Plöderl hängte einen kleinen, goldgefassten Skarabäus im gleichen Material in das zarte Gebilde ein und verlieh dem Ganzen eine unglaubliche Aura, indem er auf den Skarabäus noch einen Turmalin folgen ließ, tiefblau und durchsichtig wie die Tiefsee, eigentlich ein Indigolit, in kompliziert gebrochenem Rosenschliff.

 

Plöderls Kreationen sind in einem eigenartigen Spannungsfeld zwischen fast sakraler Intensität und zurückhaltender Natürlichkeit angesiedelt. Wer sie als „Schmuck“ tragen will, wird mit den größten Kostbarkeiten nie protzig daherkommen – die Arbeiten scheinen sich ihren Träger/innen immer neu anzupassen. Aber mitunter möchte man sie nicht tragen, sondern nur vor sich liegen haben und anschauen, um ihre leuchtende, leise Sprache zu ergründen.

 

Info:

Goldschmiedekunst Peter Plöderl, Friedrichsplatz 3, 68165 Mannheim, Jahresausstellung 2004 vom 16. bis 26. Oktober, Tel. 0621-151679, Fax 0621-27311.

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