Jahresschau 2003 bei Peter Plöderl


Brasilianischer Begrkristall mit einem natürlichen Granat-Einschluss und feinen Rutilnadeln im Innern. Plöderl fügte oben einen mit Rubinen besetzten Goldstab an und kombinierte den wasserklaren Anhänger-Stein mit einem Collier aus 23 Granatperlchensträngen.


Porzellanobjekte von Maria Geszler-Garzuly wurden in der Jahresschau 2003 mit Plöderls Schmuckkreationen kombiniert. Die beiden Fotos oben und unten zeigen ein Collier aus 2500 Jahre alten, persischen  Bergkristall-Perlen mit einem Skarabäus als Anhänger. Oben der Skarabäus mit Blick auf den Buckelrücken: Auf geglühtem, fast schwarz gewordenem Weißgold mehrere Reihen Diamanten, mit denen der heilige Käfer eine Kopf- und Flügelstruktur bekommt.


Derselbe Skarabäus mit Blick auf die gravierte Bauchseite, die einst als Siegel benutzt wurde und das Material Steatit erkennen lässt.


Aquamarin in Treppenschliff  (188,7 Karat), behutsam in Goldstegen gefasst und mit einer dreiteiligen Bahn Diamanten unterlegt. Der Stein lässt sich als Anhänger an einem Collier aus sieben Strängen blauer Tansanitperlchen tragen.

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Fotos mit freundlicher Genehmigung von Peter Plöderl

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05-10-2003

Die geheimnisvollen Farben der Steine

Schmuckkünstler Peter Plöderl 2003 zum 20-jährigen Bestehen seines Ateliers

 

Von Christel Heybrock

 

Es leuchtet. Kleine Flächen senden Farbwellen aus, sanft und glühend, rätselhaft, intensiv. Steine, manchmal rosafarbene bis tiefrote Korallen, Perlen schimmernd in Tönen zwischen Weißs, Rosa, Hell- und Dunkelgrau bis fast zum Schwarz. Metalle locken: Silber, Feingold, Weißgold, oxidiertes Weißgold, durch Erhitzen dunkelgrau geworden. Und der wasserhelle Bergkristall. Und alte Fundstücke, Skarabäen, Siegel, winzige Münzen. In einer Ecke das Prachtgewand eines afrikanischen Zauberers aus farbigen Glasperlen, die Ornamente so dicht gearbeitet, dass ein dickes Relief auf dem nicht mehr sichtbaren Stoff steht. Die ungarische Porzellankünstlerin Maria Geszler-Garzuly bereichert die kleinen Räume für anderthalb Wochen durch eigenartig stille, mit Schrift, Noten und japanischen Bildmotiven bedruckte Porzellanobjekte, aber es gab auch schon Tierschädel, schön beschriftete Dokumente aus einem aufgelassenen französischen Archiv - oder Seifenstücke als Kontrapunkt zur Kunst der Steine, Perlen und Metalle.

 

In der Jahresschau 2003 kann Peter Plöderl auf 20 Jahre seines Mannheimer Goldschmiede-Ateliers zurückblicken, auf Ausstellungen in Paris und Mailand, auf Ehrungen und einen Ruf in der Szene, der ihm immer wieder die schönsten und seltensten Stücke sichert. Da gibt es diesen brasilianischen Bergkristall, 4 x 3 Zentimeter groß, der in seinem Innern einen natürlichen kleinen Granatkubus als Einschluss und dazu einige wenige Rutilnadeln birgt, haarfein, rötlich und diagonal gerichtet. Was macht ein Künstler mit einer so seltenen Vorgabe der Natur? Er dreht 23 Stränge aus winzigen roten Granatperlchen, um den Einschluss bewusst zu machen, und er variiert einerseits das Rot, andererseits die aparte Asymmetrie der Rutilnadeln durch die Anfügung eines kleinen, mit Rubinen besetzten Goldstabes in abgeknicktem Winkel (Foto oben). So einfach das aussieht, so angemessen und feinfühlig ist es auch. Die Genialität Peter Plöderls besteht darin, dass er es aufnimmt mit der Natur und in ihrem Sinn weiterdenkt, statt sie sich gewaltsam gefügig zu machen.

 

Die brasilianischen Bergkristalle haben in den letzten Jahren bei ihm eine große Rolle gespielt. Der Stein ist eher aus der mittelalterlichen Sakralkunst geläufig (hier symbolisiert seine absolute Klarheit die Reinheit der Jungfrau Maria) als aus dem modernen Schmuckdesign (mit dessen Schnelllebigkeit Plöderl ohnehin nichts zu tun hat). Dass er es nicht nur mit der Natur, sondern auch mit der Kulturgeschichte aufnimmt, beweist in der Jahresschau 2003 noch ein ganz anders gearteter Bergkristall, ein Collier nämlich aus facettierten Bergkristallperlen. Die sind rund 2500 Jahre alt und achämenidisch, also aus der Zeit des ersten persischen Großreiches unter Cyrus, Cambyses und Darius. Die stellenweise zarten rötlichen Färbungen hat Plöderl optisch etwas verstärkt durch die Einfügung von Goldperlchen zwischen den Bergkristall-Elementen und durch einen Steckverschluss, bei dem zwei offene Goldreifen (mit winzigen Diamanten besetzt) ineinander geklinkt werden.

 

An diesem feinen, unaufdringlichen Collier nun hängt ein Skarabäus (Fotos Mitte), den man auch abnehmen kann. Die mit Hieroglyphen bedeckte Bauchseite aus Steatit wurde von den alten Ägyptern offenbar als Siegel benutzt, und noch immer ist die Gravur gestochen scharf und präzise. Die Buckelseite jedoch hat Plöderl überzogen mit geglühtem Weißgold (das durch den Prozess fast so schwarz wurde wie der Pillendreher-Käfer in der Natur) und akkurat in Reihen angeordneten Diamanten. Deren Färbung hat es in sich – Plöderl arbeitet ja immer wieder mit sehr seltenen, naturfarbigen Diamanten in den überraschendsten Tönen. Hier kombinierte er winzige Steinchen in Rot, Gold, Grün und Orange mit etwas größeren Milkdiamanten (womit die Färbung der Bergkristalle wieder aufgenommen wird), und alle zusammen geben sie dem heiligen Käfer eine exakte Kopf- und Flügelstruktur. Wenn der Skarabäus jemals ein Objekt von sakraler Bedeutung war, dann vollzieht das der Mensch des 21. Jahrhunderts an der Aura eines solchen Kunstwerks nach, mit der das Gefühl ebenso wie historisches Wissen und eine geschärfte Wahrnehmungsfähigkeit herausgefordert werden.

 

Mit Skarabäen und Diamanten arbeitete Plöderl auch ein kleines Set aus Ring und Ohrstecker. Der Ring-Skarabäus wurde mit einem rosenholzfarbenen Diamanten von 1,08 Karat kombiniert, beiden Objekten wurde zusätzlich je eine große, champagnerfarbene Südseeperle beigegeben. Die Hieroglyphen des Skarabäus setzte Plöderl beim Ring noch fort durch Schriftzeichen, die in den flachen, breiten Goldreif eingeschnitten sind. Ein weiterer Fingerring entstand mit einem Achatsiegel, das die feine, medaillonförmige Gravur eines römischen Gottes trägt. Die prägnante Färbung des Achats mit seinen drei quer verlaufenden Zonen vom transparenten Rosenholz über dichtes Weißgrau in der Mitte bis zu opakem Dunkelbraun im unteren Drittel setzte Plöderl auf dem breiten Goldreif fort, der das Siegel trägt: Drei Zonen mit unterschiedlich naturfarbenen Diamanten geben dem Siegel gleichsam eine Bestätigung in Riverweiß, Milk und Goldbraun. Kein Rahmen könnte der kleinen Siegelfigur angemessener sein; die Diamanten vertreten durch ihre ausgesuchte Individualität bei Plöderl immer etwas ganz anderes als das in der konventionellen Schmuckkunst übliche kalte Glitzern.

 

Vieles bei ihm ist bewusst von märchenhafter Zartheit und Zurückhaltung wie etwa ein Collier aus unregelmäßigen Opalscheibchen und –tönnchen. Nun sind Opale ja ohnehin stets von einem geisterhaften, milden Feuer, das sich rationaler Fassbarkeit zu entziehen scheint, da kann es noch so eindeutige physikalische Erklärungen der Lichtbrechung geben. Diese hier wirken zunächst harmlos weiß und hell, bis man sich eingesehen hat und ein nuancenreiches Farbenspiel zwischen Türkis, Milchweiß, Rosa, Blau und Violett entdeckt. Soviel Sensibilität aus der Natur versetzt Plöderl mit Elementen, die die Sprache der kleinen Steine deutlicher machen und ihre geheimnisvollen Farben durch verwandte Variationen verstärken. Eine Südseeperle, zwei Tahitiperlen und drei abgeplattete Kugelformen in Feingold tragen gleichsam zu einer Polyphonie feinster Licht- und Farbenstimmen bei. Die verschiedenen Materialien fügen sich wie von selbst zu einem Ensemble, in dem jedes Teil von den anderen bestätigt wird.

 

Eine Kunst ohne Gewaltsamkeiten, eine Kunst, die aus Hinsehen und aus dem einfühlenden Verstehen von Naturformen und versunkenen Kulturen besteht. Aus der Freude an ungewöhnlichen Fundstücken aber auch, denen Peter Plöderl immer von neuem gewachsen sein muss. Dass er nach 20 Jahren Arbeit Bernsteine fand, die nicht nur braun und golden schimmern, sondern gleichzeitig blau – das hat ihn einfach hingerissen. Bei einem Collier aus solchen Kugeln in unterschiedlicher Größe nimmt er sich ganz zurück: er versetzte die seltenen Schöpfungen der Natur nur mit Zwischenteilen und einem Verschluss aus oxidiertem Weißgold, das teilweise mit rotbraunen (!) Diamäntchen besetzt ist. Die nehmen ganz leise das goldbraune Schimmern des Bernsteins noch einmal auf, während das Blau sich von selbst im Sonnenlicht durchsetzt und bei Kunstlicht kaum zu sehen ist.

 

Und ein Wunderwerk der Natur ist auch der hellgrüne Aquamarin von 188,7 Karat, ein 3,5 x 4,5 Zentimeter großer, vollkommen klarer Steinkörper in Treppenschliff, den Plöderl nicht nur behutsam mit Goldstegen fasste, sondern auch noch mit einer dreiteiligen Bahn kleiner Diamanten unterlegte (Foto oben). Die schimmern nun geheimnisvoll von unten durch und lassen erst richtig die Tiefe dieses Steins ahnen. Man kann dazu ein Collier aus sieben Tansanitsträngen in taubenblauen Perlchen tragen – das Ganze ein unaufdringliches, kostbares Kammerstück in Blau und Grün.

 

Info:

Peter Plöderl Goldschmiedekunst, 68165 Mannheim, Friedrichsplatz 3, Tel. 0621-151679, Fax 0621-27311, Jahresschau 2003 vom 10. bis 22. Oktober.

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