Jahresschau 2002 bei Peter Plöderl

 

 

Alte chinesische Jade-Grille,von Plöderl mit diamantenbesetztem Feingold gefasst.

 

 

Altpersisches Rollsiegel aus Muschelsubstanz (Querstab in der Mitte, ca. 1000 v. Chr.). Das Goldrelief darüber zeigt den Abdruck dieses Siegels mit einer Jagdszene, unten ein geheimnisvoller Opal. Das Ensemble, ursprünglich Brosche, beziehungsweise Collier-Anhänger, arbeitete Plöderl 2006  zu einem Kästchen-Deckel (Siegel-Abdruck) und einem Collier-Anhänger (Rollsiegel allein) um.

 

 

Blüte aus Chalcedon, mit Diamanten an Feingoldstäben besetzt, die die Staubgefäße andeuten. Die Kette besteht aus etlichen Strängen Süsswasserperlchen.

 

URL dieser Website: http://www.kunstundkosmos.de/Bildende-Kunst/Ploederl2002.html

 

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung des Ateliers Peter Plöderl

Sitemap

Übersicht Bildende Kunst

 

Peter Plöderl - Das Atelier

Jahresausstellungen Peter Plöderl:

2001

2003

2004

2005

2006

2007

 

05-02-2003

Die Perlchen mit dem Katzenblick

Schmuckkunst des Jahres 2002 bei Peter Plöderl in Mannheim

 

Von Christel Heybrock

 

Natürlich gibt es hier das ganze Jahr Erstaunliches zu entdecken, aber jeweils im Oktober öffnet Peter Plöderl den Safe noch einmal für Leistungen aus seiner Jahresproduktion, und für dieses Ereignis werden viele Stücke auch noch ganz aktuell fertig. Was das Jahr 2002 betrifft, so scheinen die ägyptischen Gottheiten, die er mit großer Sensibilität in moderne Entwürfe einpasst, etwas in den Hintergrund zu treten (natürlich sind sie noch da), während die Faszination an seltenen Steinen aus einer erst in den neunziger Jahren entdeckten Mine in Nordbrasilien wächst. Immer ist es die Bewunderung, die Plöderl selbst für die Fundstücke empfindet, die ihn zu unverwechselbaren Formgestaltungen inspiriert.

 

So entstanden 2002 allein zwei Colliers mit Katzenaugen-Opalen. Der überirdisch blau-grün-rot leuchtende Opal als Katzenauge? Das gibt es wirklich, aber die beiden seltenen Steine von jeweils mehr als 22 Karat (im Durchmesser etwa wie ein Daumennagel groß) verbreiten nicht das sprichwörtliche opalisierende Feuer, sondern wirken unscheinbar graugrün mit kleinen schwarzen Einschlüssen. Sie brauchen die Nähe des Blicks, sie wecken auf ruhige Art das Vertrauen, dass man so etwas doch schon gesehen hätte – und erweisen sich schließlich als ganz ungewöhnliche Naturschöpfungen. Plöderl kombinierte den Stein bei dem einen Collier unaufdringlich mit schwarzsilbern schimmernden Tahitiperlen, beim anderen jedoch bewusst apart mit einer 2000 Jahre alten japanischen Kimonoschließe aus Bronze mit noch erhaltenen winzigen Goldeinlagen. Der schmale, elegant geschwungene Bronzestab hängt an einem Golddraht-Collier, das die Biegung des Stabs wiederholt und variiert. Auf der Unterseite der Bronze, etwa in der Mitte des Stabes,  wird noch eine große graugrüne Tahitiperle sichtbar, und der bewusste Katzenauge-Opal hängt wie der Punkt unterm Ausrufezeichen ganz unten an der Volute. Alles zusammen eine Kombination nicht nur aus kontrastierenden und aufeinander bezogenen Materialien und Formen, sondern auch aus Farben, die sich wiederholen und voneinander unterscheiden: der Golddraht, die Goldreste auf der Bronze, dann die jeweils verschiedenen Graugrüntöne von Tahitiperle, Bronze und Katzenauge – das Ensemble wirkt wie von selbst gewachsen.

 

Diese untertreibende Natürlichkeit bei seltenen und kostbaren Materialien gehört zu Plöderl wie das Atmen. Um beim Katzenauge zu bleiben: Es begegneten ihm 2002 bei seinem Händler nicht weniger als 17 Stränge mit winzigen Chrysoberyll-Katzenaugen, und die hielt er sofort fest. Was da nun bei Plöderl in der Vitrine liegt, ist eine Unfassbarkeit aus 3 bis 5 Millimeter großen, wiederum unscheinbar graugrünen Chrysoberyllchen in 15 gedrehten Strängen (damit das Collier etwas länger wurde, als es ursprünglich war), und jedes „Perlchen“, das ein Laie womöglich mit schnödem Farbglas verwechseln könnte, ist ein Katzenauge für sich! Dass so etwas allein durch sich selbst wirken muss und keine formalen Klimmzüge mehr dulden kann, war Plöderl klar, und er steigerte den Eigenglanz der tausend kleinen Augen nur noch durch hin und wieder eingestreute Goldperlchen in der gleichen Größe.

 

Es gibt in der Produktion 2002 ein weiteres Collier aus kleinen, in gedrehten Strängen angeordneten Perlchen. Auch dieses Schmuckstück könnte man auf den ersten Blick für banales Glas halten, das jedoch nicht grünlich, sondern rostrot glänzt. Nimmt man es in die Hand, ist es aber ungleich leichter als Glas: Die zehn Stränge bestehen aus winzigen Feueropalen, von denen jedes Steinchen verschieden ist in Form und Färbung (zwischen tiefem Rot und Cremeweiß). Auch hier arbeitete Plöderl nur einige wenige Goldkügelchen ein, gleichsam wie spritzige Akzente, die den warmen Rottönen zusätzliches Leuchten verleihen.

 

Bleibt man bei dieser Farbe, entdeckt man bald noch andere Stücke in ähnlich warmem Glanz, etwa einige fingernagelgroße sassanidische (altpersische) Siegel aus rotem Karneol. Zwei davon verarbeitete Plöderl zu Ohrsteckern, ein größeres, auf dem ein kleiner Löwe prangt, zu einem Ring: Auf die breite Feingoldfläche des Fingerreifs gravierte Plöderl neben den Siegellöwen außerdem das Sternbild Löwe ein und setzte winzige Diamanten an die Stelle der Sterne. Alle drei Siegel wurden zudem kombiniert mit von Natur aus dunkel honigfarbenen Diamanten, die fast die Färbung des Karneols erreichen.

 

Orientalische Siegel wurden in weiteren Fällen zu geheimnisvollen, fast auratischen Kunstwerken. Rund 4000 Jahre alt ist ein mattschwarzer kleiner Stab aus Hämatit (dem heute auch wieder häufig in der Schmuckindustrie verwendeten „Blutstein“, der beim Schleifen blutrote Rückstände hinterlässt). Der kleine Stab ist ein assyrisches Rollsiegel mit winzigen, sehr feinen Figuren. Plöderl setzte ans obere Ende wiederum naturfarbene Diamanten auf einer Halbkugel aus Feingold, ans untere Ende des Stabs eine Feingoldplatte und schloss daran einen meergrünen, durchsichtig klaren Turmalin-Cabochon an. Auf diese Weise erscheint das alte Siegel wie ein Zeichen versunkener Mythen.

 

Wiederum altpersisch, aber aus der Zeit lange vor der Gründung des persischen Großreichs, ist ein Rollsiegelstab aus Muschelsubstanz, dem man jedoch kaum eine schlüssige Bildgestaltung entnehmen kann (ca. 1000 vor Chr.). Rollt man das Siegel aber in weicher Materie ab, tritt eine Jagd- oder Turnierszene zu Pferd an den Tag. Von dieser Entdeckung war Plöderl so gefangen, dass er einen prachtvollen Collier-Anhänger daraus machte, der sich auch als Brosche tragen lässt: An zwei Goldschlaufen hängt eine kleine Feingoldplatte, wie ein kostbares Gemälde gerahmt  (der Rahmen mit Diamäntchen besetzt), und auf der Platte erhebt sich das Relief der abgerollten Siegelszene (Foto oben). Den unscheinbaren Muschelstab befestigte Plöderl quer liegend an der Unterkante des Jagdbildes, aber so, dass er an beiden Seiten durch goldene, von Diamanten besetzte Halbkugeln vollendet wird. Außerdem hängen noch zwei weitere Elemente an dem Stab, nämlich ein rosenholzfarbener, mandelförmiger Diamant und an diesem ein großer Schwarzopal mit tiefem Feuer in Blau-Grün und verstecktem Rot. Siegel und Rollszene werden durch die kostbare Kombination mit Gold und Diamanten fast auf eine sakrale Ebene gehoben, während der Opal mit seinen tiefen Farben eine Aura unergründlicher Geheimnisse vermittelt. Am Hals einer Trägerin bleiben diese Aspekte zwar erhalten, treten in ihrer Bedeutung aber zurück: Auffallend und extravagant im unangenehmen Sinn wirkt bei Plöderl nichts. (Plöderl hat das Ensemble aus unbekanntem Grund 2006 auseinander genommen, die Jagdszene zum Deckelknauf eines Silberkästchens gemacht und den Rollstab allein als Anhänger eines Colliers verwendet.)

 

Einen unglaublichen, grüngolden schimmernden Riesenberyll von 63,60 Karat in facettierter Schiffchenform (Navette) legte Plöderl frei schwebend in eine Goldkonstruktion ein, die man in ein Collier einklinken kann (ein junger Mitarbeiter des Ateliers entwarf einen Spezialverschluss dazu, der für sich allein schon ein Genuss ist). Natürlich passt zu diesem Beryll wieder ein Besatz aus kleinen Diamanten in green yellow (honig- bis zitronenfarben) auf Goldunterlage. Möchte man auf den großen Stein verzichten, kann man dafür ein anderes Teil einklinken, nämlich ein vermutlich präkolumbianisches goldenes Mäuschen aus Südamerika, an dessen Schnauze ein Gold-Diamantglied befestigt wurde, damit man es einhaken kann. Freilich ist das Collier auch allein tragbar – ohne Anhänger ist es wahrlich bemerkenswert genug, besteht es doch aus weiß schimmernden, halb durchsichtigen, römisch antiken Bergkristallen in Facettenschliff, Größe zwischen 9 und 17 Millimeter.

 

Kaum aufzuzählen, was es sonst noch gibt: weiße und graue Jade, ein Granatcollier aus altindischen, grüngelben (!) Steinen, Bergkristall mit Chromit-Einschlüssen, einen Turmalinring in ungewöhnlicher Grünfärbung (84,35 Karat), einen altägyptischen Elfenbein-Skarabäus, den Plöderl auf der Bauchseite mit einer goldenen Uräusschlange versah und damit zum Sakralobjekt machte, Schwarzopale, Astkorallen... eine Gesamtheit künstlerischer Kontinuität als Erlebnis. Beim Nachhauseweg kommt es einem vor, als hätte man alles nur geträumt.

 

Info:

Peter Plöderl Goldschmiedekunst, Jahresschau vom 18. bis 31. Oktober 2002, 68165 Mannheim, Friedrichsplatz 3, Tel. 0621-151679.

kostenlose counter