Schmuckkünstler Peter Plöderl
im Atelier


Der Meister im Atelier: Peter Plöderl testet ein neues Werk an einer Schneiderbrust: Schwarz ist immer richtig zum Ausprobieren, aber wenn es um eine endgültige Präsentation im Ausstellungsraum des Goldschmiedeateliers geht, entfaltet Plöderl ebenso viel Fantasie und Einfühlung wie bei den Kreationen selbst. In diesem Fall braucht es freilich keine weiteren Überlegungen: Das lilafarbene Satinband trägt einen 8 cm großen Beryll von atemberaubender Schönheit. Um den Charakter des ungewöhnlichen Steins sprechen zu lassen, arbeitete Plöderl ihn nur am oberen Ende in eine schlichte Feingoldfassung ein, mit der die Kanten des säuligen Kristalls betont werden - auf die vier Kanten der Goldfassung setzte er doppelreihig kleine Diamanten. Der Verschluss des Satinbands (hier nicht sichtbar) besteht aus oxidiertem Silber und Gelbgold.
Foto: Manfred Rinderspacher

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Alle Fotos auf dieser Seite stammen von Manfred Rinderspacher (Copyright). "Kunst und Kosmos" dankt herzlich für die Genehmigung zur Reproduktion.

Zusammenstellung und Bildtexte: Christel Heybrock

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09-01-2012

Mehr über Peter Plöderl:
Jahresausstellungen
2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007


Das Atelier ist auch ein Ausbildungsbetrieb für jeweils zwei junge talentierte Nachwuchskünstler. 2011 waren das beispielsweise Eugen Hein und Eva Knoch, die mit Konzentration und Feingefühl löteten, Gold walzten, kleine Löcher in kostbare, empfindliche Stücke bohrten und von Peter Plöderl so manche überraschende Gestaltungsidee mit auf den Lebensweg bekamen.


Wenn Plöderl auf hochkarätigen Antik-Messen und bei internationalen (vorzugsweise Pariser) Galeristen Stücke wie diesen ägyptischen Skarabäus findet, scheint es in seinem Kopf eine Initialzündung zu geben. Manchmal sieht er wahrscheinlich schon vor sich, wie das gute Stück schließlich aussehen wird, und dann "muss" er es einfach haben. Dabei würde einem normalen Betrachter kaum etwas dazu einfallen: Das Foto zeigt den uralten Glückskäfer von der Bauchseite, die offenbar als Siegel benutzt wurde. Die Gravierung besteht aus zwei Äffchen mit dem Schutzgott Bes in der Mitte. Eine Gravierung befindet sich auch auf der Buckelseite, und in solchen Fällen sorgt Plöderl dafür, dass später Bauch- und Buckelseite im Schmuckstück sichtbar bleiben. In jedem Fall wird ein solches Objekt  mithilfe einer behutsamen Goldfassung und der Kombination mit farblich abgestimmten Steinen seine alte Magie zurück erhalten.

Um Präsentationsideen ist Plöderl nie verlegen. Hier kam eine alte Schiffsfigur aus verwittertem Holz zum Einsatz. Die Figur trägt am Seidenband ein römisches Alabasterköpfchen, das in eine ebenso einfache wie geistreiche Spirale aus Gelbgold eingefügt wurde. Das mehrfach gelegte Band endet in zwei Hülsen, die man aus der Spirale ausklinken und in andere Anhänger einklinken kann - variable Kreationen sind fast schon Standard in Plöderls Atelier. Um den kostbaren Anhänger zu vervollkommnen, fügte er unten noch ein tropfenförmiges Element an, das mit hellbraunen kleinen Diamanten besetzt ist. Eine Besonderheit stellt jedoch die Partie dar, an der das Alabasterköpfchen mit der Spirale verbunden ist, wie die Detailvergrößerung unten zeigt: Die Spiralenden bilden gleichsam einen schwebenden, federnden Sockel für das Köpfchen, das Plöderl mit einem schmalen, mit Brillanten besetzten Kragenband versah.

 

 

Ein Memento mori aus dem Barock: Plöderl schuf für den alten Elfenbeinschädel eine kleine Konsole, einen 4 cm hohen, sich nach unten verjüngenden Sockel aus Silber und oxidiertem Feingold mit naturfarbenen Diamanten auf der Frontseite. Daran hängt unten eine riesige, grüngoldene Tahitiperle (Maße 18 x 26 mm). Erst die Dreierkombination aus Schädel, Sockel und Perle gibt dem Objekt eine geheimnisvolle, fast religiöse Aura, weil der kulturhistorische Hintergrund des kleinen Barockschädels von Plöderl nicht nivelliert, sondern im Gegenteil betont wird. Die Kreation lässt sich natürlich als "Schmuckstück" tragen - aber im Grunde handelt es sich hier nicht um einen Gebrauchsgegenstand, sondern um Schatzkunst im historischen Sinn. Wie durchdacht solche Entwürfe sind, geht auch aus Details hervor, wie der Vergrößerung des Fotos unten zu entnehmen ist: Dem Schädel fehlt der Unterkiefer, und Plöderl setzte das Köpfchen auf einen aus der Konsole herausragenden Goldzapfen, der durch Lücken im Elfenbein hindurch schimmert und den Eindruck entrückter Kostbarkeit steigert. Auch die ebenso geordnet wie lebendig wirkende Anordnung der Diamanten, die nach unten in der Anzahl abnehmen, gehört zu den charakteristischen Plöderl-Details, nicht zu vergessen das schmale Diamanten-Band an der Ober- und an der Unterkante des Sockelchens.

Plöderl arbeitet bei der Präsentation seiner Werke häufig mit bildenden Künstlern zusammen. Die markant zerklüftete  Struktur, auf der das Collier mit dem Elfenbeinschädel präsentiert wurde, fordert zu der Frage heraus, worum es sich da wohl handeln mag? So weit das Material bisher sichtbar war: um Schwemmholz aus dem Pazifik. Aber der Bildhauer Eckhard Schembs, der gerne Metall mit anderen Materialien kombiniert, nutzte dieses eigenartige Holz auch für zwei große Figurinen in Plöderls Ausstellungsraum:


Die afrikanisch anmutenden Köpfe der Plastiken sind aus Metall, ihre Körper aus dem exotischen Holz, das ihnen den Anschein ritueller Gewänder gibt. Plöderl verstärkte die rituelle Aura noch durch die beiden extravaganten Colliers aus Jade, Elfenbein und Aquamarinen sowie durch die Art ihrer Präsentation.

Dass er sich in fremde Kulturen ebenso einfühlen kann wie in die Formensprache abendländischer Mythologie, hat er immer wieder bewiesen. Eines seiner schönsten Stücke ist der Collier-Anhänger einer Muschelkamee mit der Darstellung der römischen Jagd- und Mondgöttin Diana, die mit Köcher und Bogen sowie mit einem winzigen Halbmond auf den Locken dargestellt wurde. Das gerade mal 7,5 cm lange Meisterwerk der Steinschnittkunst wurde von Plöderl in einen asymmetrischen Feingoldrahmen gefasst, der an der rechten Seite mit sieben goldfarbenen Diamanten besetzt ist. Man kann das Stück als Anhänger wie als Brosche tragen, aber unabhängig von seiner Gebrauchsfähigkeit enthält es eine Spannweite des Ausdrucks, wie sie wohl nur von Plöderl erreicht wird: zwischen Kostbarkeit und einem lebendigen Detailreichtum, der dem Betrachter diese Kreation vertraut und zugleich entrückt erscheinen lässt.

Info:
Peter Plöderl Goldschmiedekunst, Friedrichsplatz 3, 68165 Mannheim, Tel. 0621-15 16 79,
www.peter-ploederl.de

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