Italiensehnsucht

Deutsche Künstler in Italien im 18. und 19. Jahrhundert

 

 


"Ruinen der Aqua Claudia am Fuße des Palatin in Rom" - die Sepia-Federzeichnung von Franz Kobell (1749-1822) entstand um 1780. Das Blatt ist im Besitz der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen und Teil der Sommerausstellung "Italiensehnsucht" 2009.

 

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Die Fotos auf dieser Seite geben ausschließlich Exponate aus den Grafikbeständen der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim wieder (Copyright).

 

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17-08-2009/ Update 05-09-2011

Romantischer Süden

„Italiensehnsucht“ von Künstlern des 18./19. Jahrhunderts – Grafik aus den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim

 

Von Christel Heybrock

 

Dass man sich immer nach Orten sehnt, an denen man gerade nicht ist, gehört zu den ebenso tragischen wie banalen Grundzügen menschlicher Existenz. Aber Italien – das war schon immer ein besonderes Ziel. Schmückten sich seit der Renaissance die Fürstenhöfe nördlich der Alpen mit dem Genie italienischer Musiker, Architekten, Bildhauer und Maler, so wurden umgekehrt einheimische Künstler von fürstlichen Mäzenen gern mit Italien-Stipendien belohnt und zu weltläufigen Arbeiten angespornt. Aber nach dem Ende des „ancien régime“ bekam die einstige Ausbildungsreise ein ganz anderes Flair, bei dem sich individuelle Neugier und Flucht aus bürgerlich-deutscher Enge mit der Sehnsucht nach Sonne, Wärme, ländlicher Idylle und den vergänglichen Resten der Antike verbanden. Mit andern Worten: Wer vor allem als bildender Künstler auf sich hielt, musste einfach in dem Land gewesen sein, wo die Zitronen blühen, und es heißt, zwischen 1800 und 1830 hätten sich rund 1200 deutsche Maler, Bildhauer und Architekten allein in Rom niedergelassen.

 

Kaum eine Epoche deutscher Kunst ist so reich an meist zu Unrecht vergessenen Schätzen der Handzeichnung wie die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert. Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen, obwohl nicht in erster Linie eine Institution bildender Kunst, zählen zu den 16.000 grafischen Blättern ihres Bestandes auch eine Anzahl von Handzeichnungen und Originaldrucken dieser Zeit, was im Sommer 2009 den Kurator Andreas Krock zu einer kleinen Schau aus rund 40 Arbeiten veranlasste. Italien-Nostalgie als Thema einer Sommerausstellung – was könnte besser zusammen passen?

 

Viele Blätter wurden in anderem Zusammenhang schon früher ausgestellt, aber aus konservatorischen Gründen sieht man sie natürlich viel zu selten, und besonders die Handzeichnungen der Mannheimer Künstlerfamilie Kobell sind immer eine reine Freude. Allein von Franz Kobell (1749-1822) sind 10 Pinsel- und Federzeichnungen zu sehen, denen man hier vor den sieben Radierungen seines berühmteren und 1817 als bayerischer Schlachtenmaler geadelten Neffen Wilhelm von Kobell (1766-1853) den Vorzug geben möchte. Was nämlich den Zauber gerade der Landschaftsdarstellungen des späten 18. Jahrhunderts und auch der vielen Zeichnungen Franz Kobells ausmacht, ist die Verbindung von Wirklichkeitsnähe und Phantasie, von penibler Wiedergabe feinster Details mit atemberaubenden Naturvorstellungen, die viel aufregender waren als jede Realität. Die Künstler fühlten sich hinein in Geheimnisse und Kräfte von Wachstum und Verfall, die nicht auf der sichtbaren Oberfläche der Dinge liegen – den Geheimnissen der Natur und verwunschener Orte gaben sie ein Gesicht, und man müsste ein Herz aus Stein haben, wenn man nicht heute noch ihre Träume mitträumen möchte.

 

So kann man sich kaum satt sehen an Blättern wie der Federzeichnung „Ruinen der Aqua Claudia beim Palatin in Rom“ (um 1780, Foto oben), bei der alle Konturen in ein Gewebe feinster Strichlein aufgelöst sind, so dass nicht nur Blättchen für Blättchen des undurchdringlichen Laubes der Büsche und Bäume im Vordergrund zu atmen scheinen, sondern auch das verfallende Aquädukt, auf dessen morschen Steinbögen sich Pflanzenbüschel ausbreiten. Eine Empfindung von Melancholie ebenso wie von Vertrautheit und bergenden Energien liegt in diesem Blatt, eine Empfindung, der man sich willig hingibt, wenn man nicht zu den Leuten gehört, die an allem etwas zu mäkeln finden. Franz Kobell hatte ein Italien-Stipendium von Kurfürst Carl Theodor und hielt sich sechs Jahre lang dort auf (1778-1784), das erwähnte Blatt ist also vor Ort entstanden. Auch Goethe, der ihn in Mannheim kennen gelernt hatte, sammelte fasziniert Franz Kobells Zeichnungen – freilich nicht ohne durch Meckern seine  Kennerschaft zu beweisen:

 

„Franz Kobell ist mir bekannt durch seine Zeichnungen, die er in einer ihm eigenen Manier mit großer Schnelligkeit in außerordentlicher Menge verfertigte. Sehr oft findet man in denselben Spuren, dass er mit einem sehr geübten Auge die Natur verstanden und empfunden hat, aber bald durch unüberlegte und oft gänzlich unmögliche Massen, die zu seinen Vordergründen dienen sollten, das Gute in den Fernen wieder aufgehoben und völlig zernichtet. Die Hauptneigung seiner Kompositionen  geht auf ein Zusammengedränge vieler unverträglicher Objekte, die auf diesem engen Raum, worin er sie zusammenbringt, unmöglich ihre Basis finden können....“ schrieb der besserwissende Dichter, dem Extreme ein Gräuel waren.

 


Reine Phantasie ohne Ortstreue, klassisch ausgewogene Proportionen, aber leider ein bisschen langweilig - auch diese Federzeichnung ("Römische Phantasie-Landschaft") stammt von Franz Kobell (um 1780).

 

Nun, so ausgewogen zwischen Ferne und Vordergrund gibt es von Franz beispielsweise die Federzeichnung „Römische Phantasie-Landschaft“ (um 1780) mit schlanken, spärlich belaubten Bäumen beiderseits im Vordergrund und einem Blick auf Pyramide, Tempelrest und Hügel in der Ferne – eine „ideale“ Konstruktion offensichtlich aus gezähmter Natur und klassischen Proportionen. Ein bisschen langweilig ist dieses Blatt leider auch, ganz im Gegensatz zu einem Prachtstück wie der „Küstenlandschaft mit Ruinen und zwei vorgelagerten Inseln“ von 1807.

 


Franz Kobells "Küstenlandschaft mit Ruinen und zwei vorgelagerten Inseln" (Pinselzeichnung in Bister und Sepia, 1807). Schon allein des dräuenden Felsbrockens auf der linken Seite wegen hätte dieses Blatt dem Geheimrat von Goethe wohl nicht gefallen.

 

Bemoostes Ruinengestein im Vordergrund, eine winzige Figur lehnt an einem umgekippten antiken Säulenrest, auch im Mittelgrund wandert der Blick über verfallende Reste antiker Größe, und in lichtem Verschwimmen erkennt man noch rechts das Meer mit kleinen Segelbooten, einem Inselchen und fernem Gebirge. Aber der Reiz dieses Blattes besteht aus einem gefährlich schief vom linken Rand ins Auge drängenden Felsen, einem von Gebüsch bewachsenen Ungetüm, das fast die ganze Bildhöhe einnimmt. Franz setzte just zwischen diesen Brocken und einen zweiten entfernteren die Hauptlichtquelle – ein dramatischer Kontrast, ein Kontrast auch zwischen der Bedrohung des scharfkantigen Felsens und den samtweichen Konturen der dunklen Steine im Vordergrund. Nein, dieser Mann wusste, wie man Betrachter fesselt, wie man polare Gegensätze in der Natur vor Augen führt.

 

Und zu den Höhepunkten der Ausstellung gehören unzweifelhaft Franz Kobells „Großer Wasserfall bei Gewitter“ (1809) und die unglaubliche „Meeresbucht an einer Steilküste im Abendlicht“ (1807). Der „Wasserfall“ ist eine Verneigung vor Urgewalten der Natur. Von einer Felsenhöhe donnern Fluten herab in eine Tiefe, die unterhalb des Bildes liegt, so dass eine Rahmen sprengende Suggestion erreicht wird. Auf Felsen im Vordergrund stehen zwei wagemutige, winzige Menschlein und sehen dem Höllensturz des Wassers zu, das auf seinem Weg auch noch von zwei dicken Gesteinsbrocken geteilt wird. Und jenseits dieser als Dreieckskomposition angelegten Szenerie spielt sich in der linken Bildhälfte aus Wolkenballungen die nächste Spannungsentladung ab – das Gewitter. Doch trotz dieses scheinbaren Übereinanderstapelns von Effekten, wie sie Goethe monierte, hat man als heutiger Betrachter nicht den Eindruck, als sei hier zuviel auf knapp vierzig mal 25 Zentimetern Kantenlänge untergebracht. Den dramatischen Vorgängen setzte Franz Kobell nämlich eine fast haptische Zartheit und Feinheit der unbewegten Partien entgegen. Algen und Moose lassen die Felsen weich und rund erscheinen, eine dichte Belaubung auf der rechten Bildseite ist von samtig-lebendiger Konsistenz und bildet ein wunderbares Gegenwicht zu den Gewitterwolken am gegenüber liegenden Bildrand.

 


So etwas muss man einfach ganz groß vor der Nase haben: Franz Kobells großartige "Meeresbucht an einer Steilküste im Abendlicht" (Feder und Pinsel in Sepia, Originalgröße 21,8 x 236,2 cm, entstanden 1807). Der Vollmond taucht ganz rechts zwischen Bergen, Wolken und Meer auf.

 

Franz Kobells weiche Felsen und seine aus Tausenden von Blättchen und Strichlein modellierten Belaubungen, sie erzeugen immer wieder eine Empfindung des Zuhauseseins, der Geborgenheit in der Natur beim Betrachter, vielleicht weil uns Heutigen solche Anblicke erschreckend selten geworden sind. Und manch einem wird die „Meeresbucht im Abendlicht“ noch großartiger erscheinen als der Wasserfall, obwohl hier gar nichts passiert, nichts, außer dass der Vollmond sich zwischen niedrigen dunklen Wolken, einem gewaltigen Felsmassiv und zwei kleinen Segelbooten auf dem Meer hindurch schiebt. Man sieht ihn zunächst gar nicht, der Blick bleibt erst mal hängen an einer von zerklüfteten Felsen gesäumten Bucht, über der sich ein düsterer, von Licht durchbrochener Wolkenhimmel erhebt. Über die Wolken erst senkt sich der Blick auf der rechten Bildseite wieder nach unten zum Meer – und da ist er, der Mond. Was für eine Stimmung! Was für ein Atmen in der Luft! Eine fast auf der Haut spürbare Kühle senkt sich herab. Kein Laut. Wolken, Felsen, Licht und Wasser breiten sich in einer kosmischen Präsenz und Gelassenheit vor den Augen aus.

 

Nein, solche Ansichten konnte der berühmte und soviel nüchternere Neffe Wilhelm von Kobell nicht beisteuern, seine sieben Radierungen aus Italien sind gemogelt, er war nie dort, weil er sich schon bald vor Aufträgen kaum retten konnte. Das kurfürstliche Stipendium für England und Italien ließ er sich 1793 einfach auszahlen, um den Umzug von Mannheim nach München zu finanzieren. Wilhelms Stärke liegt im übrigen eher in der Malerei, die in der kleinen Sommerschau kein Thema ist. Dafür erinnert ein zweites großes Konvolut an Theodor Leopold Weller (1802-1880), einen in Mannheim geborenen Genremaler, der mit der Familie Kobell befreundet war und seine Bilder penibel mit Zeichnungen vorbereitete. Und was für Zeichnungen!

 

Weller, der einmal von 1825-1833 und dann von 1839-1848 in Rom lebte und von dort aus Italien bereiste, war durchaus an der peniblen Erfassung der Wirklichkeit interessiert. Hier unterscheidet er sich grundlegend von Franz Kobell, der mit großer Intuition etwas beschwört, was jenseits der sichtbaren Oberfläche liegt. Weller war ein Zeichner von stupenden Fähigkeiten. Dass er mit den sensiblen und doch so entschiedenen Bleistift-Arbeiten nach und nach jedes Eckchen, jede Figur ausforschte, bevor sie in seinen Gemälden zu stimmungsvoll-folkloristischen Szenen zusammen gesetzt wurden - es ist als künstlerischer Vorgang hinreißend, wenn einem auch das gemalte Ergebnis zunächst egal ist: Diese Zeichnungen bestehen für sich, und Farben dürfte eigentlich niemand vermissen.

 


"Die Tempelanlagen in Paestum", 1827 von Theodor Leopold Weller mit spitzem Bleistift aufs Feinste wiedergegeben.

 

Wellers menschenleere Architektur- und Straßenmotive wirken nicht allein durch die Schärfe selbst der kleinsten Details, sondern auch durch eine unaufdringliche, aber intensive Licht-Schattenführung. Nichts drängt sich hier dem Blick auf, alles ist unendlich zart wie ein leises, präzise artikuliertes Flüstern. Aber Blätter wie die großartigen „Tempelanlagen in Paestum“ (1827) vermitteln dazu die feine, gnadenlose Härte südlichen Lichts. Jede Fuge in den Steinblöcken, jedes Loch in den kannelierten Säulen ist ein Partikel Dunkelheit in greller Sonne. Trotz der überaus peniblen Wiedergabe von Pflanzen, Gestrüpp und Ranken stehen die oft aus antiken und mittelalterlichen Resten kombinierten Gebäudeansichten als entrückte Erscheinungen vor den Augen des Betrachters. Weller hat diesen Eindruck, bewusst oder unbewusst, immer wieder hervorgerufen, indem er das Zeichenpapier im Vordergrund leer oder fast leer beließ; erst im Mittelgrund taucht das Motiv auf. Der Betrachter wird damit einem gegensätzlichen Wahrnehmungsprozess ausgesetzt: Das Motiv mit seiner berückenden Wirklichkeitsnähe zieht das Auge magisch an, ist ihm aber gleichzeitig entzogen. Ähnlich, wenn auch mit anderen Mitteln verfuhr Weller bei der Bleistiftzeichnung „Die Villa d’Este in Tivoli“ (1828). Hier liegt die Titel gebende berühmte Villa kaum noch sichtbar hinter den Zypressen und Büschen des Parks verborgen.

 

Lauschige Eckchen, etwa der „Kreuzgang von Santa Maria della Verità in Viterbo“ (1826) oder der „Brunnen in Sutri“ (1830), lassen mit Details wie einem hölzernen Eimer, einem Krug oder Weinfass ein wenig die Stimmung erahnen, die Weller in seinen figurenreichen Gemälden weckt. Bei den Zeichnungen sind Architekturen und Figuren streng voneinander getrennt, die Figuren erscheinen zudem stets radikal einzeln ohne jede Umgebung, gleichsam aus dem Nichts. Weller zeichnete nicht spontan, sondern suchte seine Modelle aus und ließ sie charakteristische Posen einnehmen. Nicht nur bei den Frauen, auch bei Bauern, Handwerkern, Mönchen interessierten ihn die präzise Wiedergabe von Körperhaltung und Details der ländlichen Kleidung. Dennoch drängt sich kein Aspekt dabei in den Vordergrund, die Modelle führen nichts vor als sich selbst, und ihre Isolierung lässt sie versunken, manchmal etwas melancholisch erscheinen.

 


Die "Junge Frau mit Tamburin in der Tracht von Nemi" saß dem Künstler Theodor Weller 1826 Modell für diese Bleistiftzeichnung.

 

Dabei verbreiten die Frauen mit ihrer natürlichen, verhaltenen Anmut einen stillen Zauber. Die sitzende „Junge Frau mit Tamburin in der Tracht von Nemi“ (1826) blickt dermaßen sittsam zu Boden, dass man dieser Figur doch etwas mehr Leben wünschen würde – wäre da nicht eine mit spitzem Bleistift virtuos modellierte Weichheit des Stofflichen, etwa die fast berührbar scheinenden Wangen und das Kinn, mehr noch der Faltenwurf ihres Rockes, den man förmlich mit den Augen fühlt. Selten blicken bei Weller die Modelle aus dem Bild heraus und sehen den Betrachter an: In herber Verweigerung eines Blicks die etwas müde „Stehende junge Frau aus Subiaco im Profil nach links“ (1826); richtig stolz mit auf der Hüfte abgestützter Hand und großem Bastkorb auf dem Kopf  die „Stehende junge Frau aus Subiaco im Profil nach rechts“ (1826) – auch bei ihr ein Faltenwurf, der wie hingehaucht und doch von verführerischer Griffigkeit ist.

 

Die nüchterne, wenngleich einfühlsame Präzision, mit der Weller die jungen Frauen aufs Papier bannte, rückt bei zwei Mönchen fast in die Nähe einer Karikatur. Besonders der „Franziskanermönch als Gärtner in Subiaco“ (1826), drollige Erscheinung mit breitkrempigem Hut und zu kurz geratener Kutte, unter der nackte Füße in Sandalen hervorlugen, er nimmt fast die von Ironie durchtränkten Beobachtungen Carl Spitzwegs vorweg. Eine große Gießkanne macht den Anblick des seltsam diesseitigen, gottgefälligen Bruders perfekt. Doch Karikaturen waren Wellers Sache eigentlich nicht. Das italienische Flair, das die so verhalten dastehenden jungen Frauen nur eingeschränkt verbreiten, findet sich schließlich bei der ländlichen Männerwelt und lässt erneut die komprimierten Genreszenen von Wellers Gemälden ahnen.

 


So stellt man sich nördlich der Alpen das italienische Landleben vor: Auch diese Szene aus Subiaco mit dem romantisch an eine Hauswand gelehnten Mandolinenspieler hat Theodor Weller mit seinem Bleistift festgehalten (1833).

 

Ein heftig gestikulierender „Schuhmacher beim Vortrag mit der Mandoline“ (1829) – auch er von wahrscheinlich unfreiwilliger, leiser Komik – und der nun wirklich romantische Anblick eines barfuß „Zu Boden sitzenden Mannes mit Mandoline aus Subiaco“ (1833), so möchte man sich heute noch das Treiben in italienischen Dörfern vorstellen. Trotz all der harten Arbeit und einer auch von Armseligkeit geprägten Existenz, die Weller auf anderen Blättern keineswegs beschönigt, er muss schon mal sein, der bärtige Kerl mit Hut, der an eine Hauswand gelehnt Mandoline spielt, die Jacke halb von der Schulter gerutscht ... und allein wegen dieses phänomenal weichen Faltenwurfs muss man einfach hinsehen! Die kleine Ausstellung enthält zwar noch einige Einzelblätter anderer Künstler, aber die beiden Konvolute Franz Kobells und Theodor Wellers allein sind den Besuch mehr als wert.

 

Info:

- „Italiensehnsucht. Künstlereindrücke im18. und 19. Jahrhundert“, Exponate aus dem Besitz der Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim, Museum Zeughaus C 5, Grafikkabinett, vom 4. Juli 2009 bis 31. Januar 2010, Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr, www.rem-mannheim.de
- Die Ausstellung wurde von den Gräflichen Sammlungen Schloss Erbach im Sommer 2010 übernommen (vom 10. Juni bis 1. August). Besichtigungen im Rahmen einer Themenführung mittwochs um 18 Uhr, freitags 17 Uhr, samstags/sonntags 16.30 Uhr, www.schloss-erbach.de

- Ausstellungskatalog „Theodor Leopold Weller (1802-1880). Zeichnungen im Reiss-Museum“, Mannheim 1981

- Ausstellungskatalog „Von Mannheim nach München. Die Künstlerfamilie Kobell“, Museum für Kunst-, Stadt- und Theatergeschichte des Reiß-Museums, Mannheim 1993
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