Dan Flavin (1933-1996)

Die Icons

 


So geheimnisvoll schön sind die Lichtinstallationen, mit denen der amerikanische Künstler Dan Flavin berühmt wurde. Hier eine Ansicht aus dem Jahr 2004 des Wissenschaftsparks Rheinelbe in Gelsenkirchen, wo das Gelände des ehemaligen Bergwerks Rheinelbe umgestaltet wurde. Das Foto stammt von dem in Herten lebenden Stadtplaner Thomas Robbin.

 

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16-08-2010

 

Licht – Gegenwart des Unerreichbaren

Die „Icons“, acht Frühwerke des amerikanischen Künstlers Dan Flavin (1933-1996) in einem Bildband bei Schirmer/Mosel

 


Das Cover des Bildbandes bei Schirmer/Mosel. Das Titelfoto zeigt das "Icon V (Coran's Broadway Flesh)"

 

 

Von Christel Heybrock

 

Der Vater ist irisch-katholischer Abstammung, die Familie der Mutter kommt aus Deutschland. Am 1. April 1933 werden in Jamaica im US-Staat New York Zwillingssöhne in der Familie Flavin geboren. Der Vater, von dem einer seiner Sprösslinge später schreibt, er sei ein „asketischer, wenig männlich ausgeprägter Drückeberger-Offizier“, träumt von einer Priesterkarriere für beide, um in den Söhnen zu realisieren, was er selbst nicht erreicht hat. Auch die Mutter kommt in den Äußerungen des Sohnes Daniel Nicholas nicht gut weg: Sie sei ein „dummer, dickfleischiger Tyrann von Frau, Abkömmling aus dem deutschen Kaiserreich, jedoch ohne auch nur eine Spur von Vornehmheit“. Und eben dieser Daniel, dessen Kindheit von Zwängen und Unterdrückungen geprägt ist, entwickelt mit der Zeit einen störrischen Charakter, dessen stärkste Triebfeder die Suche nach kompromisslos selbständigen Entscheidungen werden sollte. Da half auch das Junior Priesterseminar nichts mehr, das Daniel und sein Bruder David besuchen mussten, als sie 14 waren.

 

Daniel absolvierte mit zwanzig eine Ausbildung als Meteorologe und kam mit der US-Luftwaffe in den Koreakrieg. Einer militärischen Laufbahn stand aber sein Interesse an bildender Kunst im Weg. Von 1957 bis 1959 studierte er Kunstgeschichte an der Columbia University in New York und weil er danach nicht so recht weiter wusste, arbeitete er als Aufsicht im Museum of Modern Art, im Museum für Naturgeschichte und im New Yorker Guggenheim Museum. Dass er dort aufmerksam die Besucher beobachtet hat, ist sehr zweifelhaft – die Kunstwerke hat er aber gründlich betrachtet, wie aus seinen Notizbüchern hervorgeht.

 

Und schließlich kam, was kommen musste: Daniel Flavin fing selber an zu malen, Landschaften, Stadtansichten, Textillustrationen. Aber er merkte bald, dass die Malerei nicht ganz sein Ding war. Außerdem sammelte er irgendwelche banalen Alltagsfundstücke von Spaziergängen, was nicht verwundert, denn es war die Zeit von Pop-Art, Op-Art und wildem Aufbruch in der Kunst. Dan Flavin hatte zugleich die mystische Kunst russischer Ikonen im Kopf, die Abstraktion der russischen Suprematisten, von denen er vor allem Wladimir Tatlin bewunderte, aber auch katholischen Devotionalien-Kitsch. Er probierte seine Möglichkeiten noch aus, wurde richtig sarkastisch in der endgültigen Zurückweisung kirchlicher Symbole und heiratete Sonja Severdija, die mit ihm gemeinsame Sache machte bei den pfiffig-respektlosen „East New York Shrines“ – das ist eine Serie von zehn Objekten aus Konservendosen (z. B. der Tomatenmarke „Pope“), auf denen eine Porzellanhalterung mit Glühbirne angebracht ist, in deren Licht ein kitschiges Transparentbild der Jungfrau Maria erstrahlt. Zwischen 1961 und 1966 entstanden diese frechen Pseudo-Hausaltärchen.

 

Aber immer noch war es nicht ganz das, was Dan Flavin umtrieb. Licht – ja. Aber weg mit den Bildern, den Abbildern, den ewig auftrumpfenden und Respekt fordernden Bedeutungen! Er fing zeitgleich mit den „Shrines“ etwas anderes an, baute einfach flache quadratische Holzkästen und setzte Glühbirnen oder Leuchtröhren auf die Ober- oder Seitenkanten: „Icons“ nannte er die Dinger, eingedenk der seltsamen Widersprüchlichkeit, dass die russischen Ikonen zwar die strenge Abstraktion von Personen darstellen, zugleich aber vollkommen entrückt von jeder Malerhand die konkrete Gegenwart der dargestellten Heiligen beschwören. Diese Kästen als „Icons“ zu bezeichnen, war einerseits ebenso dreist wie die Idee der Konservendosen-Altäre, bestätigte andererseits aber die in Ikonen verborgene Radikalität. Und ein Schritt zu seiner ganz persönlichen Formensprache, mit der Dan Flavin in den späten sechziger Jahren als Künstler von Lichtinstallationen berühmt wurde, sind die „Icons“ allemal.

 

Acht solcher Kästen hat er zwischen 1961 und 1963/1964 gemacht, bis Flavin die Entscheidung seines Lebens traf: Man braucht nichts, worauf man das Licht anbringt, das Licht allein ist genug, es ist das nackte, bedeutungslos hergestellte Industrie-Licht, das man an der Wand, in einer Ecke, an Boden oder Decke installiert, Leuchtröhren einzeln oder rhythmisch in kargen Additionen, in Weiß, Rot, Gelb oder anderen Farbtönen aus der normalen Leuchtkörper-Produktion. Das Licht verändert alles, es dehnt Räume, es irritiert die Wahrnehmung, es definiert die Anwesenheit einer unerreichbaren, immateriellen Substanz. In der menschlichen Psyche, in menschlichen Vorstellungen spielt Licht eine fundamentale Rolle als Instanz der Hoffnung, des Wegweisens, der Entwicklung von Leben – aber, um Gottes Willen, von Bedeutungen und religiösen Symbolen hatte Dan Flavin wirklich genug, bei ihm bedeutet es nichts, das Licht, es ist nüchtern, fremd und rätselhaft energetisch, Punkt. Seine Lichtinstallationen sind den Menschen, die sie gesehen haben, unvergesslich. Aber wer seinerzeit anfing, sie zu interpretieren, konnte nur scheitern oder sich bestenfalls die abgrundtiefe Verachtung des Künstlers zuziehen.

 

Den Angelpunkt jedoch zwischen einem wenig bedeutungsvollen Frühwerk und den späteren Leuchtröhren-Installationen bilden diese acht „Icons“, die von unterschiedlichen Leihgebern kommend 2006/2007 innerhalb einer großen Flavin-Retrospektive der Münchner Pinakothek der Moderne zusammen fanden – der Schirmer/Mosel Verlag publizierte sie 2009 mit einem Text der Ausstellungskuratoren Corinna Thierolf und Johannes Vogt. Die „Icons“ sind mit diesem Bildband als Werkgruppe nicht nur detailliert mit Skizzen und Fotografien (sogar der Kanten und penibel ausgearbeiteten Rückseiten) dokumentiert, sondern wurden von den beiden Autoren auch in die künstlerische Entwicklung ihres Schöpfers eingeordnet. Die umfassende (nur leider manchmal etwas trockene) Gründlichkeit dieser Publikation macht sie natürlich zum Standardwerk der bedeutungsvollen kleinen Gruppe – wer immer sich über die „Icons“ informieren will oder muss, wird zu diesem schmalen Band greifen.

 


Das "Icon I (the heart) (to the light of Sean McGovern which blesses everyone)"
Copyright Stephen Flavin/Artist's Rights Society, 2009

 

Verblüffend sind dabei die Reste von symbolhaften Assoziationen, die Flavin den streng monochromen Kästen damals noch in den Titeln erschloss und die natürlich die Rezeption des Betrachters beeinflussen. Die meisten „Icons“ sind sogar bestimmten Personen gewidmet, deren Leben damit beschworen wird. So wendet sich „Icon I (the heart)“ an „das Licht von Sean McGovern, das (oder der?) jeden segnet“ (to the light of Sean McGovern which blesses everyone).Der Genannte war ein irischer Emigrant, der zur selben Zeit wie Flavin im American Museum of Natural History arbeitete (Flavin war dort von Mai 1960 bis Oktober 1961 beschäftigt). Das Objekt ist mit knapp 12 cm Tiefe relativ flach (Kantenlängen knapp 64 x 64 cm), monochrom rot bemalt und auf der Oberkante mit einer roten Leuchtröhre auf weißer Halterung bestückt. So simpel das klingt, so wenig banal ist das Objekt, dessen rotes Licht nach oben eine sanfte, intensive Aura von Spiritualität verströmt. Der rote Kasten, auf dem die Leuchtröhre sitzt, scheint nur noch eine Art Sockel, ein nebensächlicher Halt für die lebendige Wärme des Lichts zu sein.

 

Das Icon I (the heart) setzte Flavin stets in Bezug zu „Icon II (the mystery)“, das Flavins Freund John Reeves gewidmet ist. Das Mystery-Icon hat die gleichen Maße, ist monochrom gelb und wurde auf der Oberkante mit einer leicht nach rechts gerückten gelben Glühbirne versehen. Im Gegensatz zum Rot, das jeder Betrachter mit Begriffen wie Herz oder Blut assoziieren wird, verbinden die meisten Menschen mit der Farbe Gelb sehr unterschiedliche Dinge. Der „mystery“-Hinweis bei Flavin erklärt sich speziell durch seine Reminiszenz an das transzendentale Gold der Ikonen, das wie in der mittelalterlichen Tafelmalerei Westeuropas die Sphäre Gottes und der absoluten Reinheit bedeutet. Zwei Jahre nach den ersten beiden „Icons“ war der Durchbruch zur nackten , diagonal angebrachten Leuchtröhre geschafft mit Flavins „Diagonale des 25. Mai 1963 (für Constantin Brancusi)“ – er hatte eine 2,44 Meter lange Röhre mit gelb fluoreszierendem Licht an der Wand eines leeren Raumes angebracht, der dadurch in goldbraunen Dämmer mit einer gleißend goldenen Lichtquelle getaucht wurde.

 

In der Münchner Ausstellung wurden die ersten drei „Icons“ zusammen an einer Wand präsentiert – bereits 1962 hatte Flavin sie in seinem Studio als eine Art Triptychon nebeneinander platziert. Das „Icon III (blood, the blood of a martyr)“ hat zwar noch einmal die gleichen Maße wie I und II, zeugt aber von weiteren Experimenten. Der Korpus ist in verschiedenen Farbschichten von Gelb, Braun und Violett bemalt, so dass sich eine Farbe wie geronnenes Blut ergibt. An der rechten Seitenkante und an einem Teil der Oberkante befindet sich eine Linoleumbeschichtung, die linke Seitenkante ist in dunklem Violett bemalt – es ist das einzige Icon mit derart verschiedenen Oberflächen. Auch mit den Leuchtkörpern hat Flavin hier experimentiert: Befindet sich die rot fluoreszierende Röhre beim Icon I an der Oberkante, so brachte er sie jetzt unten an. Eine rote Glühbirne setzte er, wieder etwas aus der Mitte verschoben, an der Oberkante an, so dass dieses Icon zwei unterschiedliche rote „Blut“-Quellen aussendet. – gegenüber den beiden vorhergehenden Icons ergibt sich dadurch eine deutliche, vielleicht sogar dramatische Dominanz, als breite sich eine Lebensenergie sterbend in den Raum aus.

 


Blick in die "Icon"-Räume der Münchner Dan-Flavin-Retrospektive 2006/2007. Ganz links das "Icon IV (the pure land)", das dem früh an Kinderlähmung gestorbenen Zwillingsbruder des Künstlers gewidmet ist. An der Wand in der Mitte die Icons I bis III: ""the heart", "the mystery" und "blood of a martyr".
Foto: Copyright Haydar Koyupinar, 2009, courtesy Schirmer/Mosel Verlag

 

Radikal verschieden von den drei ersten Icons erweist sich das „Icon IV (the pure land – to David John Flavin 1933-1962)“. Das Objekt hat etwa doppelte Größe mit Kantenlängen von 113 cm und einer Tiefe von 29 cm, es ist völlig weiß und die Oberfläche besteht nicht mehr aus bemaltem Holz, sondern aus einer glatten „Formica“-Kunststoffbeschichtung. Die weiße Leuchtröhre ist auch hier wieder dezentriert auf der Oberkante montiert. Es handelt sich übrigens um die 1969 entstandene Zweitversion – die erste Version von 1962 wurde in einer Galerie-Ausstellung beschädigt und anschließend zerstört. Das weiße Icon ist Dan Flavins Zwillingsbruder David gewidmet, der im Alter von 29 Jahren am 8. Oktober 1962 an Kinderlähmung starb. Weiß ist die Farbe des Todes in der chinesischen Kultur, das „reine Land“ bezeichnet eine von den Zufällen des Lebens gereinigte Endgültigkeit. Das weiße Icon in einem abgedunkelten Raum wirkt vor allem durch das fluoreszierende Weißlicht und weniger durch das Objekt selbst; es vermittelt eine Transzendenz, die sich mit Wörtern nicht mehr definieren lässt und den Betrachter zwischen Todeskälte und dem Eindruck eines „Lichtatems“ tief berührt – trotz der Zurückweisung durch die Nichtfarbe Weiß empfindet man das Licht nach wie vor als starke Energiequelle.

 

Von Rot dominiert dagegen das „Icon V (Coran’s Broadway Flesh)“; es ist einem jungen englischen Homosexuellen gewidmet, der laut Flavin „New York City liebte“ – einem Mann aus seiner persönlichen Bekanntschaft also. Der Kasten mit Kantenlängen von 80 cm ist in einem rötlichen Fleischton bemalt und an allen Seitenkanten mit klaren weißen Glühbirnen in Kerzenform besetzt, die eine lebendige Aura von Rosa versprühen, weil durch das Licht die Farbe der Seitenkanten in den Raum ausstrahlt (siehe Coverfoto oben).

 


Das "Icon VI (Ireland dying, to Louis Sullivan)"
Foto: Copyright Stephen Flavin/Artists Rights Society, 2009


In markantem Gegensatz zu der körperhaften Widmung in Fleischfarbe steht wiederum das „Icon VI (Ireland dying, to Louis Sullivan)“ mit der Komplementärfarbe Grün, die an die „grüne Insel“ Irland erinnert. Welche Rolle für Dan Flavin der amerikanische Architekt Louis Sullivan (1856-1924) spielte, der als Vater der modernen Architektur und (nicht ganz zu Recht) als Pionier der Hochhausarchitektur gilt, ist nicht ganz klar. Womöglich hat Sullivans irischstämmiger Vater den Ausschlag für die Zueignung dieses Icons gegeben. Das „sterbende Irland“ bezieht sich auf die seit 1949 bestehenden politischen Unruhen. Die formale Besonderheit des Icons besteht nicht darin, dass die Maße wieder zu Kantenlängen von knapp 64 cm zurückkehren (Tiefe 26 cm), sondern in der abgeschrägten linken unteren Ecke, an der Flavin den Leuchtkörper anbrachte – ein zum Boden gerichtetes rotes Blinklicht unter einer dunkelgrünen Glaskappe mit schwarzer Halterung. Das Dauerblinken weckt beim Betrachter eine Assoziation von Warnlicht und permanenter Alarmstimmung.

 

Das Motiv abgeknickter Ecken beschäftigte Flavin weiter. Mit dem „Icon VII (via crucis)“ entstand ein Objekt ganz in Schwarz mit einer weißen Leuchtröhre. Rigoroser noch als bei dem Irland-Icon schrägte Flavin die rechte obere Ecke der Holzkonstruktion nach hinten ab und positionierte den Leuchtkörper als diagonale weiße Linie an der Knickkante. Der strenge Schwarzweißkontrast in Verbindung mit der „Kreuzweg“-Metapher, also der Passion Christi, verleiht diesem „Icon“ eine starke Aura von Gnadenlosigkeit, Tod und Unausweichlichkeit. Bedeutsam für die weitere Entwicklung von Flavins Kunst ist aber wohl die Verwendung der Diagonale, die fast zeitgleich (1963) dazu führte, dass er auf Kastenobjekte verzichten und kompromisslos allein die nackten Leuchtkörper in leeren Räumen einsetzen konnte.

 

Obwohl er offenbar vor hatte, die „Icons“ weiter zu führen, entstand nur noch ein einziges Objekt: Das „Icon VIII (the dead nigger’s icon, to Blind Lemon Jefferson)“. Der gelb bemalte Quadratkasten mit der Kantenlänge 71,1 cm (Tiefe 25,7 cm) wurde an allen vier Ecken nach hinten abgeschrägt, so dass sich mit dem Quadrat zugleich eine Raute ergibt. Auf die vier Schrägflächen setzte Flavin rote Glühbirnen auf weißen Halterungen, wobei die roten Lichter in einem bestimmten, vom Betrachter als chaotisch empfundenen Rhythmus blinken. Die Widmung bezieht sich auf den blinden Bluesmusiker Lemon Jefferson (1893-1929), dessen Musik Flavin bei der Arbeit hörte. Die beiden Textautoren weisen darauf hin, dass der Blinkrhythmus beim Betrachten des Originals eine Art visueller Notenschrift ergibt, ein Äquivalent zum Hören von Tönen, das sich ebenso wie das Blinken in der Dimension der Zeit ereignet.

 

Die Phase der „Icons“ war am 25. Mai 1963 schlagartig beendet: „Ausgehend von einer jüngsten Studie, verkündete ich die ‚Diagonale der persönlichen Ekstase’ (die Diagonale vom 25. Mai 1963), einen gewöhnlichen acht Fuß langen Streifen fluoreszierenden Lichts in jeglicher im Handel befindlicher Farbe. Zuerst wählte ich ‚gold’“, zitieren die Autoren den Künstler. Das Gold, das den Raum wegen der direkt überm Fußboden sich diagonal an der Wand erstreckenden Leuchtröhre akzentuiert, als öffne sich dort ein unsagbares Geheimnis, ist eine letzte Reminiszenz an das Gold der Ikonen – in einer zweiten Fassung ein Jahr später hat Flavin sowohl den Begriff der „Ekstase“ als auch das Gold eliminiert: der diagonale Balken aus Licht ist jetzt einfach Weiß. Mit der Schonungslosigkeit dieser Abstraktion hat Flavin zu sich selbst und zu seinen ureigenen Entscheidungen gefunden. Mit seinen ebenso kühlen wie mystischen Veränderungen von Räumen durch Licht schuf er ein schwieriges, faszinierendes Lebenswerk, das sich jeder Interpretation entzieht. Das Licht steht bei ihm nicht mehr im Dienst einer Bedeutung, eines religiösen oder gefühlsmäßigen Zusammenhangs, sondern allein für seine physikalische Präsenz. In Flavins Kunst erweist sich die Physik des Lichts dem modernen Betrachter als ebenso rätselhaft und überwältigend wie die Altarbilder des Mittelalters dem damaligen Gläubigen.

 

Dan Flavin starb im Alter von 63 Jahren am 29. November 1996. Sein letztes Werk ist eine Installation aus blauem, gelbem und rotem Licht (den drei Grundfarben) in der Mailänder Kirche Santa Maria Annunciata in Chiesa Rossa.

 

Infos:

- Dan Flavin, „Icons“, mit einem Text von Corinna Thierolf und Johannes Vogt, Verlag Schirmer/Mosel, München 2009, 80 Seiten, 28 Abbildungen, 39 Farbtafeln, ISBN 978-3-8296-0363-8, Preis 49,80 Euro, http://www.schirmer-mosel.com/

- Retrospektive Dan Flavin in der Münchner Pinakothek der Moderne, vom 23. November 2006 bis 8. April 2007, http://www.pinakothek.de/pinakothek-der-moderne/

- Die Installation in Santa Maria Annunciata in Chiesa Rossa: http://www.smacr.com/
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