Clapeko - Klaus Peter Koch

 


Clapeko im Atelier - Rot und Blau, die beiden kraftvollen Grundfarben, dominieren hier, und das ist kein Zufall: Rot und Blau sind fast schon mit Clapekos Lebensenergien identisch.

 

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Alle Fotos auf dieser Seite: Manfred Rinderspacher (Copyright). "Kunst und Kosmos" dankt für die freundliche Genehmigung zur Reproduktion.

 

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25-6-2012

Update 03-04-2014

Farben – das Prinzip des Kosmos

Der Maler und Plastiker Clapeko van der Heide

 

Von Christel Heybrock

 

Diesen Fußboden wird keine Putzfrau mehr sauber kriegen – aber es ist ja auch wirklich kein Schmutz, sondern das reinste Lebenselixier, was da im Lauf der Jahrzehnte in Clapekos Atelier seine Spuren hinterlassen hat: FARBEN! Clapeko heißt mit bürgerlichem Namen Claus Peter Koch, doch bürgerlich ist an dem Mann nicht viel, einer wie er hat nicht das Temperament zur Anpassung. Zwar lebt er (der 1940 in Leipzig geboren wurde) seit 1991 im beschaulichen Nußloch bei Heidelberg, doch von dem Gären, den Grenzüberschreitungen und explosiven Ausbrüchen in Kopf und Händen bekommt seine Umgebung dank übermannshoher Thuja-Hecken, die das ganze Haus umgeben, nichts mit – erst die Ergebnisse, die sind dann immer mal zu sehen, auf Ausstellungen in der näheren und weiteren Umgebung.

 


Clapeko an einem seiner Maltische. Achten Sie mal auf den Fußboden - der Atelierboden sieht aus wie ein  Sternenhimmel voller Farben, und tatsächlich haben ja auch die "richtigen" Sterne ihre unverwechselbaren Farben.

 

Es ist schwer, Clapeko zu klassifizieren. Normalerweise würde man sagen, er ist Maler. Doch die Farben wollen und wollen nicht brav bei ihm in der Fläche und eingesperrt zwischen Rahmen bleiben, immer drängen sie zugleich in die Tiefe und nach vorn, und immer sieht es so aus, als seien die Bilder, die ja nun irgendwo anfangen und irgendwo aufhören müssen, nur zufällige Ausschnitte aus einem unendlichen Kosmos, in dem sie unter sich sind und sich so ausdehnen, wie sie mögen. FARBEN – Lebewesen voll pulsierender Energien. Clapeko gibt ihnen ständig Raum, damit man sie sehen kann, er forscht ihnen nach, er ist unablässig auf der Fährte ihrer individuellen Eigenschaften, und wenn er sie auf seinen - leider begrenzten – Leinwänden, seinen Maltischen und dem bekleckerten Fußboden im Atelier zu Tage treten lässt, dann mögen sie ihn offenbar, und er mag sie auch, es ist eine Leidenschaft hinüber und herüber.

 

Und eine Freude! Von den FARBEN kann Clapeko mit atemloser Freude sprechen, ach, es ist ihm doch eine wahre Lust zu atmen, zu sehen und die Hand mit dem Pinsel die unendliche Freude hervorholen zu lassen, die in den Farben enthalten ist wie der Saft in den Pflanzen. „Ein Bild muss reich sein!“ sagt Clapeko, disziplinierte Kargheit ist nicht sein Ding. Allein schon, wie er vorgeht beim Malen: Eine Staffelei hat er noch nie besessen – viel zu zahm. Er weiß ja, dass seine Bilder wegen der Farben ordentlich was wiegen, auch normale Leinwand ist da nicht geeignet. Nein, er malt auf einer Art Baumwollsegeltuch, „cotton duck“ heißt das Produkt. Und statt einer konventionellen, eher zimperlichen Grundierung trägt Clapeko gleich mit vollem Temperament mehrere Farbschichten auf, schon jetzt fängt so ein Bild an zu leben, zu atmen, zu pulsieren. Andere Leute würden nun aufhören in der Ansicht, mehr ginge da nicht. Aber klar, bei Clapeko geht noch eine ganze Menge. Natürlich müssen diese Schichten erst mal trocknen, bevor er weiter macht, und da ist es am besten, wenn draußen schönes Wetter ist: ab auf einen Tisch vorm Haus und in die pralle Sonne damit, dann geht es schneller! „Die Sonne“, sagt Clapeko, „das ist doch Energie! Ich konnte mit einem Nordlicht-Atelier noch nie etwas anfangen, so ein Bild muss doch Energien tanken!“

 


Was denn, mit einem Bild nach draußen in die pralle Sonne? Die Autorin dieses Beitrags guckt etwas skeptisch, doch Clapeko möchte die Farben schneller trocknen lassen, um dann weiterzumalen. Aber was soll man denn an einem solchen Bild noch ändern?

 


Na? Schon sieht es wieder anders aus, dasselbe Bild, und was schlussendlich daraus wurde, weiß im Augenblick wohl nur Clapeko selber. Aber das Malen war wieder eine einzige Freude, so viel ist sicher.

 

Der verblüfften Journalistin im Atelier zeigt er dann auch, wie es weitergeht, nachdem die Sonne daran gearbeitet hat: Clapeko legt wieder Hand an das eigentlich recht schöne Bild, indem er mal eben zu einem der zahllosen Pinsel greift und mit leichter, flüchtiger Geste über die Farbschichten tupft, wedelt oder kringelt – und siehe da, schon ist das Bild völlig anders, es scheint elastischer, deutlicher, differenzierter, es lebt noch intensiver als zuvor. Man kann nie vorhersehen, wie Clapeko dann weiterhin damit umgeht, da trifft er seine Entscheidungen offenbar ganz spontan. Es kann sein, dass er eine solche Opulenz von Farben mit parallelen Klebestreifen überzieht und dann noch einmal oder mehrmals drübermalt. Wenn er dann die Klebefolien abzieht, scheint sich das üppige Pulsieren der Farben hinter einem Gitterzaun zu verbergen und man blickt dem Bild in die Tiefe, aber es ist ein Verwirrspiel, bei dem man nicht immer heraus findet, welche Schicht denn nun wirklich vor oder hinter dem „Zaun“ liegt. Liegen die Stäbe oben auf den Tiefenfarben oder sind es gerade die Stäbe, die in verwirrender Transparenz den Blick in die Tiefe öffnen?

 

Es geht aber auch anders, wenn Clapeko nämlich das energetische Brodeln mit einer einzigen Farbe oder mit einander verwandten Tönen zudeckt, die dann die Tiefenschichten an einigen Stellen doch wieder hervorlugen oder zumindest ahnen lassen. Solche Bilder können auf den ersten Blick fast monochrom wirken. Mitunter kontrastieren diese monochromen Flächen aber mit plötzlich hervortretenden Ovalformen oder Kreisen. Ja, Kreise und ihre Kompressionen, die Ovale – das sind Energieballungen, Planeten, Sterne, vielleicht Galaxien, was für unfassbare Energien da am Werk sind über unseren Köpfen ... und bei Clapekos Bildern kochen die Energien vor unseren Augen und sogar auf dem völlig bekleckerten Atelier-Fußboden, irgendwie fühlt man sich bei ihm nach einer Weile wie im Zentrum des Weltalls ... und sind wir das nicht wirklich?! Ist nicht die Erde mit uns schmarotzenden Würmchen darauf ein Himmelskörper? Und am Ende ahnt man bei ihm, dass FARBE oder vielmehr die FARBEN ein kosmisches Prinzip sind, ein System aus Energiewellen, das Clapeko immer und immer wieder sichtbar macht, damit wir es endlich begreifen.

 

Und da ist es auch völlig klar, dass es bei ihm nicht um jene zwei Dimensionen geht, wie sie für andere Maler völlig ausreichen, nein, schon das, was bei ihm wie ein Bild aussieht, ist in Wirklichkeit keines mehr, sondern, wie er mitunter selber formuliert, ein „Malstück“, ein mehrdimensionales Objekt aus energetischer Materie. Die Farben haben nun mal den Drang, sich in alle Richtungen auszudehnen bis in den Raum. Manchmal hat Clapeko sie auf kleinen Holzkästen festgehalten, manchmal aber hat er richtige Skulpturen gemacht, einmal entstand eine ganze Serie mit ein paar Rollen aus gewickeltem Papier, bei denen es sich im Grunde um Verpackungsmaterial handelte. Clapeko forschte begeistert die gestalterischen Möglichkeiten des banalen Werkstoffs aus, zersägte die Papierröhren mal zu längeren, mal zu kürzeren Stücken, durchlöcherte sie, setzte sie in verschiedenen Winkeln aneinander und schnitt sogar eine ganze Reihe schmaler Ringe von ihnen ab, die gestapelt, durcheinander geworfen oder ineinander verschlungen wurden – immer aber spielte Farbe dabei eine Rolle, unter anderem, weil er erst durch Farbe ein Wechselspiel von Innen und Außen, von Durchblicken, Einblicken und Draufblicken inszenieren konnte.

 

Clapeko hat zwischen Farbe und Raum fast alles durchgespielt, was man sich vorstellen kann. Zwanzig Farbschichten und mehr auf einem Bild – oft weiß er selber nicht mehr genau, wie viele es sind. Er hat Bilder in unterschiedliche Formate geteilt und aneinandergesetzt, bis sie Kantenlängen von fünf Metern und darüber bekamen, ein Wunder, dass solche Bilder überhaupt irgendwo aufhören, sie könnten sich potentiell endlos fortsetzen. Ende der siebziger Jahre experimentierte er mit „Shaped Canvasses“, mit Bildformaten, die ihre Rechtwinkligkeit aufgegeben hatten und sich nur noch daran orientierten, welche Kantenverläufe die Farben von ihnen verlangten. Für das Verwaltungsgebäude des Energiekonzerns EnBW in Karlsruhe schuf er einen Fries aus 24 Meißner Porzellanplatten von insgesamt fast 12 Metern Länge – wobei Clapeko die Mitarbeiter in Meißen mitunter zur Verzweiflung trieb, weil manche Farben erst im Labor entwickelt werden mussten. Das Werk mit dem bezeichnenden Titel „Geordnete Kraft“ ist von einer bei Clapeko eher seltenen Zartheit und zurückhaltenden Eleganz; aber auch hier sind Oberflächenunterschiede zwischen glasierten und unglasierten Partien von entscheidendem Ausdruck – und auch „gestupperte“ Flächen gibt es wieder, das macht Clapeko nämlich gerne, indem er die Farbe durch senkrechtes kräftiges Tupfen mit dem Pinsel aufträgt, es ist ein sehr direkter, energischer Vorgang, und die Farben fügen sich dabei zu starken kleinen Ballungen und vibrierend-lebendigen Organismen.

 


Clapeko führt die Arbeit an seinen "Azulejos" vor: Blau auf portugiesischen Zeitungsseiten, inspiriert von der Kunst der in Portugal überall verbreiteten Kacheln.

 

Im Grunde schreckt Clapeko vor nichts zurück, jedenfalls nicht vor schwierigen Materialien. Die Stadt Wiesloch, Nachbarstadt von Clapekos Wohnort Nußloch, hat eine Partnerstadt in Portugal: Amarante nördlich von Porto. Clapeko war dort „Composer in Residence“ und konnte wegen Beschränkungen im Reisegepäck nur ein paar Pinsel und gerade mal drei blaue Farbtöne mitnehmen. Vor Ort stellte er fest, dass Blau in Portugal eine bedeutende Geschichte und Präsenz hat: Mit blauen Kacheln, den „azulejos“, sind zahlreiche Gebäudefassaden und Innenwände dekoriert, es ist ein unverwechselbares urbanes Gestaltungselement. Clapeko entwickelte seine eigenen modernen Azulejos: Er nahm portugiesische Zeitungsseiten und legte in kraftvollen Gesten und breiten Pinselbahnen seine Blautöne darauf. Die Layout-Elemente der Seiten wurden dabei immer wieder einbezogen, auch wenn er der inhaltlichen Bedeutung der Schrift keine Beachtung schenkte. Aber Spaltenbreite, Fotos, Anzeigen inspirierten ihn zu zeichenartigen Kürzeln wie X-Formen, Schlangen, Wellen oder in der Mitte offenen Oval- und Kreisformen, wobei Breite, Dichte und Transparenz des Farbauftrags durch erstaunliche Vielfalt verblüffen. Ein Problem war dabei natürlich die Tatsache, dass das dünne Zeitungspapier sofort Wellen schlug: Mit dem Bügeleisen seiner Frau bekam er das Papier immer wieder glatt – 2011 wurden diese Arbeiten im Museum Souza Cardoso in Amarante ausgestellt und mehrere Beispiele auch in der Mannheimer Galerie Arthea.

 


"Ein Bild muss reich sein", erklärt er. Und: "Blau zieht dich in die Unendlichkeit, aber Rot kommt auf dich zu und fordert dich heraus!"

 

Mittlerweile ist Clapeko zu anderen Materialien zurückgekehrt: Auf der Feste Dilsberg bei Neckargemünd zeigt er im Juli 2012 neue Werke unter dem Titel „Rot Blau“. Das sind nun die Farben, die sein Leben prägen und fast schon in seinem Körper kreisen. „Blau“, sagt er, „das zieht dich fort in eine Ferne, ins Unendliche. Aber Rot – Rot kommt dir entgegen, fordert dich heraus wie eine Kraft, der du gewachsen sein musst.“ Als dritte Grundfarbe käme eigentlich noch Gelb hinzu, aber Clapeko ist kein Konstruktivist, der das Verhalten der Grundfarben systematisch untersucht. Es sind die polaren Gegensätze der beiden archaischen Kräfte Rot und Blau, die er immer wieder und nun erneut ausreizt. Er stellt sich ihnen, er lässt sie zu, die Unendlichkeit kosmischer Fernen ebenso wie die Explosivkräfte von Sternenprotuberanzen. Rot und Blau – ein kosmisches Prinzip. Clapeko lebt da mittendrin.

 

Infos:

- Clapekos Homepage: http://clapeko.de/

- Galerie Arthea, Stresemannstr. 4, 68165 Mannheim, Tel. 16 79 292, www.arthea.de

- Kommandantenhaus Dilsberg, Burghofweg 3, 69151 Neckargemünd/Dilsberg, “Rot Blau”, Bilder, Grafik und Plastiken von Clapeko, Vernissage 8. Juli 2012, 11 Uhr; bis 29. Juli 2012, samstags 16-18 Uhr, sonntags 11-15 Uhr.
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