Franz Bellmann - "Baumfortpflanzung"

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Franz Bellmann im Atelier

03-03-2008

"Pflanzt Bäume! Pflanzt Bäume! Pflanzt Bäume!"

Im Winter 2007/2008 ließ Franz Bellmann die Bäume am Mannheimer Neckarufer mal etwas anders sprießen

Was andere Leute wegwerfen, hat den Künstler Franz Bellmann schon immer interessiert. Vor allem die Getränkedose ist in ihrer massenhaften Erscheinung aus seiner Kunst nicht wegzudenken - sie war und ist schließlich so problemlos zu bekommen! Aber natürlich stellt Bellmann sich auch die Frage, was sich mit all den anderen Wegwerfartikeln anfangen ließe, mit denen der Mensch allmählich seinen Heimatplaneten bedeckt (und mittlerweile nicht mehr nur den). Zumindest Kunst lässt sich damit ja auch noch machen, womit der Müll einer ungeahnt sinnvollen Verwendung zugeführt wird. Sinnvoll aber ist es wohl auch, Menschen mittels Kunst vor Augen zu führen, was sie eigentlich anrichten und was der Natur zugefügt wird, die all die menschengemachte globale Verschmutzung nur noch mit Mühe verkraftet.

Als Bellmann im Mai 2007 unter anderem bei der Stadt Mannheim die Genehmigung für seine Aktion "Baumfortpflanzung" einholen wollte, hatte die zuständige Behörde "größte Bedenken" dagegen, weil sie die ohnehin "geköpften" Weidenbäume, die nur noch seitlich austreiben können, in Gefahr wähnte. Bellmann erinnerte in einem Antwortschreiben an die globale (und keineswegs ungesetzliche) Zerstörung der "Mangroven, der Regenwälder in Südamerika und Südostasien", sowie der Auenwälder in der Oberrheinischen Tiefebene. "Meine Aktion Baumfortpflanzung", schrieb er der Behörde, "ist vielmehr ein Appell an unsere Mitbürger: pflanzt Bäume, pflanzt Bäume, pflanzt Bäume. Nicht nur entwalden, bewalden, rund um die Erde, nicht nur im südlichen Neckarvorland, wie bereits geschehen!" Er erinnerte ferner an seine Reinigungsaktionen unter anderem im Mannheimer Hafen zwischen 1991 und 1993, wo er mühelos 4000 weggeworfene Getränkedosen einsammeln konnte - nebst etlichen anderen Metallteilen und Wegwerfgegenständen. Allein aus den weggeworfenen Arbeitshandschuhen konnte er eine Skulptur machen. Für diese Aktionen hatte er 1993 einen Umweltpreis erhalten.

Die Aktion "Baumfortpflanzung" ließ sich schließlich realisieren: Sie fand von Anfang Oktober 2007 bis Anfang Februar 2008 auf einem zweieinhalb Kilometer langen Streifen des Mannheimer Neckarvorlandes statt. Was eigentlich für Passanten als Anstoß zum Nachdenken gedacht war, lockte aber auch Vandalen an - eine der Stelen auf den Bäumen wurde kurz nach dem Beginn der Aktion mutwillig zerstört. Offenbar gibt es Menschen, die ihre Energien einfach nicht anders kanalisieren können als in dem Teufelskreis aus Wegwerfen-Kaputtmachen.  

Texte: Christel Heybrock

Fotos: Franz Bellmann (Copyright)


So fing alles an im Oktober 2007: im Vordergrund eine vonseiten der Stadt  zurückgeschnittene Kopfweide am Mannheimer Neckarufer, einer von 16 Bäumen, die Umweltkünstler Franz Bellmann in seiner Aktion "Baumfortpflanzung" bearbeitete. 


So sieht eine von Bellmann bearbeitete Baum-Schnittfläche aus (Schwarzweiß-Foto wegen des besseren Kontrastes): Die Bäume sind an den Schnittflächen natürlich jeder Witterung ausgesetzt und daher ohnehin voller Risse und Schrunden. Von Bellmann wurden vier Bohrlöcher von 8 bis 10 cm Tiefe angebracht, um die Stelen-Kunstwerke sicher zu verankern. Nach Ende der Aktion Anfang Februar 2008 wurden die Bohrlöcher mit Balsam wieder verschlossen. Die Bäume können im Frühjahr wie gewohnt seitlich austreiben.


Blick auf einen der 16 Bäume mit Bellmanns "Baumfortpflanzung": Auf der Schnittfläche "wächst" eine kühne Krümmung - nein, nicht aus Baumpilzen, sondern aus platt gepressten und aufgefädelten Dosen. Ganz oben ein umgedrehter Eimer und ein baumelnder Haartrockner.


Eine andere "Baumfortpflanzung" - an der Spitze der Wucherung aus platt gedrückten  und aufgeschichteten Dosen eine Gießkanne. Faszinierend an Bellmanns Aktion vor allem der zunächst ganz natürlich wirkende Eindruck, als seien die künstlichen "Fortpflanzungen" aus organischer Materie auf den Bäumen gewachsen. Auch die im Wind gelegentlich schwankenden Kunst-Tentakel bewegten sich nicht anders als Äste und Zweige - bis die Passanten oberhalb der Neckarwiesen sich über die allzu menschlichen Anteile an dem vermeintlichen Wachstum klar werden mussten.


Insgesamt 23 "Fortpflanzungen" setzte Bellmann auf 16 Bäume, so dass manche Bäume zwei stelenartige Aufsätze trugen. Hier eine "Fortpflanzung" nicht nur mit aufgeschichteten Dosen, sondern auch mit anderen Fundstücken der modernen Wegwerfgesellschaft. Auf dem Arm rechts schwebt beispielsweise ganz oben ein Bügeleisen, von dem ein Textilfetzen herabhängt.

Info:
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Atelier in 68159 Mannheim, H 7, 24, Tel. 06203-85043
- http://www.franzbellmann.de

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