Wilfried Georg Barber

"BuchenBlätter"

 


Cover des Buches von Friederike Kroitzsch und Wilfried Georg Barber. Die Titelzeichnung mit der dichten Baumgruppe gibt das Blatt "Bei Hettigenbeuern" wieder.

 

URL dieser Website: http://www.kunstundkosmos.de/Bildende-Kunst/Barber%20Buchen.html

Sitemap

Übersicht Bildende Kunst

 

Mehr über Wilfried Georg Barber:

Katalog 1985-2007

"Kunst ist schön..."

 

22-02-2003/Update 22-09-2011

Ganz malerisch – ein Buchen-Buch

Zeichnungen von Wilfried Georg Barber und Texte von Friederike Kroitzsch über einen idyllischen Ort im deutschen Südwesten

 

Von Christel Heybrock

 

Wer immer früher als Zeitungsvolontär frohlockend ins nördliche Baden-Württemberg nach Mannheim gekommen war und irgendwann zurück musste, da unten hin, an den Rand des Odenwalds, der wurde von den (einigermaßen) großstädtischen Kollegen bedauert: „Na, jetzt geht’s wohl wieder nach Sibirien?“ Nach Buchen nämlich. Idyllisch wär’ es da ja, hieß es, aber wer will es immer nur idyllisch um sich herum haben? Mittlerweile gehört Buchen, so ist in einem schlauen Buch zu lesen, „zu den größten Gemeinden in Baden-Württemberg“, weil nämlich längst 13 umliegende Orte eingemeindet wurden. Was die Weltläufigkeit betrifft, wird das angesichts von heute etwas mehr als 18.000 Einwohnern wohl auch nicht viel geändert haben, aber es soll Leute geben, die es zwischen all den Fachwerkhäusern und bescheidenen Barockbauten in Buchen ganz toll finden, und dazu gehören der lange Zeit ganz gewiss nicht besonders bodenständige Maler Wilfried Georg Barber und die in Berlin geborene Rundfunkjournalistin Friederike Kroitzsch. Die hockten, obwohl sie beide nicht weit entfernt im badischen Limbach wohnten, einst zusammen im lukullischen Gasthaus „Engel“ (also vom Essen und Trinken verstehen die Leute ja was in Buchen) und entdeckten, dass sie sich in Buchen „verliebt“ hatten (anschließend übrigens auch ineinander). Was dabei heraus kam? Ein Buch natürlich. (Und später eine Heirat.)

 

Ein wirklich schönes Buch mit grünem Einband (womit man frisches grünes Buchenlaub assoziieren kann), mit informativen, übersichtlichen und nie zu langen Texten über Buchen, seine Geschichte (ganz faszinierend), seine Gegenwart, seine großen Söhne (zu denen der Architekt Egon Eiermann gehört) und seine Umgebung. Kennt man solche Bücher nicht von anderswo? Ist man diese schlecht verkappte Touristikwerbung nicht längst leid? Na ja, man darf die Texte von Friederike Kroitzsch ruhig auch als Anregung nehmen, mal einen Ausflug dorthin zu machen, immerhin haben es sich schon Kelten, Römer und Alemannen in der Gegend wohl sein lassen. Und das Rathaus von 1723, das Hotel Prinz Carl mit dem modernen Eiermann-Anbau, der alte Stadtturm, das Bezirksmuseum mit den Künstlern der Hollerbacher Malerkolonie und das Beginenklösterle von 1489... das hat ja was. Ganz zu schweigen von der Umgebung, dem „Madonnenländchen“, der Eberstädter Tropfsteinhöhle, die erst 1971 entdeckt wurde, und überhaupt der, wie gesagt, idyllischen Landschaft.

 


Das Blatt "Kleines Wäldchen" aus dem Buchen-Buch.

 

Etwas aber gibt es, was diese „BuchenBlätter“ zu etwas Besonderem macht und ihnen erst die Berechtigung zu diesem Titel gibt – das sind die 44 schwarzweißen Graphit-Zeichnungen von Wilfried Georg Barber. Weit entfernt davon, als Text-Illustrationen zu fungieren, bilden sie vielmehr das ästhetische Dokument einer ganz individuellen Aneignung von Buchen und vor allem seiner Umgebung. In menschenleeren Ansichten und manchmal nur in flüchtigen Andeutungen hat Barber die Strukturen der Landschaft aufs Papier gebannt. Man sieht hin und atmet ein bisschen tiefer. Wer Barbers geradezu farbenglühende, abstrakte Gemälde mit den immer freieren, musikalischen Rhythmen kennt, der kommt schon mal in Versuchung zu fragen, welcher Teufel ihn geritten hat, dass er plötzlich zur Abbildung von Landschaften zurück gekehrt ist. Ein Fall von Biedermeier-Gesinnung? Nein, seine Blätter sind viel zu souverän dafür. Sie sind liebevoll, eindringlich, aber gleichzeitig kühn in ihrer Kargheit, ihrem Verzicht auf Beschönigungen.

 


"Vor dem Gewitter"

 

 

Das Blatt „In den Wald“ besteht nur aus zwei verwischten, dunklen Schraffurbereichen, zwischen denen sich eine Lücke auszubreiten sucht: ein Weg, und darüber Helligkeit. Mitunter kommen einem Bäume, Hecken, Hügel und Laub vors Auge, als entstünden sie aus einem rätselhaften, leeren Nirgendwo. Die „Baumstudien“ beispielsweise – in der Ferne eine dichte Gruppe belaubter Stämme, winzig, aber so lebendig, als würden sie atmen, im Vordergrund jeweils zwei verlorene Gruppen kahler, zum Teil abgeholzter Baumstümpfe. Es gibt ein Blatt „Heller Waldrand“ und eines mit „Dunklem Waldrand“... nach der Lieblichkeit eines frühlingshaften Lichts, auf das der Betrachter zuzugehen glaubt, ist der „Dunkle Waldrand“ eine weit entfernte, kompakte Silhouette mit ein paar krakeligen Andeutungen von bewachsener Erde im Vordergrund, eine Silhouette, die gleichzeitig den Blick in die Tiefe zieht und begrenzt. Überhaupt – was Barbers Darstellungen von Bäumen und Baumgruppen betrifft: ein Großstadtmensch, der die Struktur von Bäumen für ewig wiederholbar hält (immer Stamm, Äste und Laub, was sonst), wird hier mit einer Fülle individueller Wachstumsformen konfrontiert, freilich nur, wenn er auf die Idee kommt, die Zeichnungen mal miteinander zu vergleichen.

 


"Waldweg"

 

 

Mit berückend einfachen Mitteln, mit ein paar kurzen, parallelen Strichen, mit wenigen unordentlichen Wischern vermittelt Barber Nähe und Weite, die Plastizität geologischer Formen ebenso wie der Vegetation, aber auch Atmosphäre und wechselnde Lichtverhältnisse – all das macht seine „BuchenBlätter“ zu einem richtigen Kunstbuch, in dem man immer wieder die Augen wandern lassen möchte. Buchen? Ach ja. Man vergisst den Ort fast darüber, man wird irgendwann hinfahren und die gute Luft, das leckere Essen, die idyllische Umgebung genießen. Aber diese spröden Zeichnungen, sie sind eine andere Dimension.

 

Info:

„BuchenBlätter“, Zeichnungen von Wilfried Georg Barber mit Texten von Friederike Kroitzsch, Verlag Rhein-Neckar-Zeitung GmbH, Heidelberg 2002, 103 Seiten, 16,50 Euro, ISBN 3-929295-92-X,  http://www.wilfried-georg-barber.de/index.html
kostenlose counter